Befristung von Verträgen im Fußball vor dem Aus?

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    Offensichtlich hat Müller gegen seinen damaligen befristeten Vertrag in Mainz geklagt. Zum Verständnis, eine Befristung ist in Deutschland nur für max. zwei Jahre zulässig, danach muss eine Übernahme in ein unbefristetes Arbetisverhältnis erfolgen, oder eben die Trennung.


    Würde man das weiter spinnen, wäre die Kündigungsfrist das nächste was fallen müsste.


    Es wundert mich, dass das bisher so ganz unter dem Radar durchgeflogen ist.

    "When life gives you lemons, go murder a clown."

  • Ich wundere mich auch, dass hier nicht über dieses Thema diskutiert wird.
    Berufung bzw. Revision sollte jedoch ein anderes urteil bringen, da man Fussbalspieler ja wohl nicht mit normalen Angestellten vergleichen kann. Da ist zum einen die hohe Bezahlung und zum anderen natürlich die limitierte Dauer durch das Alter ddes Spielers.
    Würde das in der Tat so kommen, dann würde der deutsche Fussball wohl drittklassig werden. Es würden keine guten Spieler kommen und die, die jetzt hier sind würden abwandern. Die Vereine würden zum Teil wohl pleite gehen.
    Also eigentlich undenkbar.

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  • Bis jetzt gibt es ja nur die Pressemitteilung des Gerichts. Ich denke, dass das erst hohe Wellen schlägt, wenn das Urteil auch die nächsthöhere Instanz überlebt und dann gar irgendwann eine höchstrichterliche Bewertung erfolgen soll.
    Vorher passiert da nicht viel.
    Dass es Nonsense wäre, wenn dieses Urteil tatsächlich durchgeht, ist natürlich unstrittig. Vor allem die Begründung finde ich interessant. "Die Eigenart der Arbeitsleistung als Profifußballspieler rechtfertigt danach als solche nicht eine Befristung des Vertrags." Aha. Mhm. Also, wenn die Tätigkeit als Fußballprofi diese Befristung nicht rechtfertigt, welche Tätigkeit sollte denn dann überhaupt dazu geeignet sein?
    Wenn ich normales Arbeitnehmerrecht auf den Profifußball umlege, bekomme ich aber ganz viel Spaß. Das hat ja nicht nur weitreichende Folgen für die Vereine, sondern auch für die Profis selbst.

  • Und das ist eben das Problem. Es wurde nie geklärt, warum Fußballer keine Angestellten sein sollen. Das läuft so in der Grauzone und wird einfach mal unterstellt. Den höheren Verdienst und die kürzere Arbeitszeit, aber auch nur, weil man (der anstellenden Verein) keinen 50-jährigen Profifußballer unter Vertrag nehmen würde, kann man eben nicht als Grundlage dafür nehmen.


    Viele Regelungen im Fußball sind halt konstruierte Dinge, um die Vereine zu schützen.

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  • Ich glaube, dass das der springende Punkt ist. Warum sind Fußballprofis keine normalen Angestellten? Tänzer, die auch eine sportliche Tätigkeit ausüben, werden ja auch am Theater angestellt und üben den Beruf bestimmt nicht bis 50 aus. Man kann da also nicht einmal auf eine Einzigartigkeit des Berufs hinweisen.

    "When life gives you lemons, go murder a clown."

  • Wobei dieses Urteil, wenn es denn durchgesetzt würde (was ich mir nicht vorstellen kann), komplett Europa betreffen würde. Ähnlich wie das Bosman-Urteil.

  • Um da mal ein MIßverständnis aufzuklären: rechtlich sind Profi- Fußballspieler immer schon "ganz normale" Arbeitnehmer. Für sie gelten die Regeln des Arbeitsrechts.
    Hier ging es um das Spezialproblem der befristeten Arbeitsverträge. Bisher hat eben noch nie ein Spieler sich darauf berufen, dass die Befristung per se unwirksam wäre, wenn sie 2 Jahre übersteigt und kein sachlicher Grund vorliegt.


    Dass das Urteil -äh...verfaßt von einer....Frau....:-) - die Berufung überleben sollte, würde mich wundern. Man muß kein Sonderrecht für Fußballer schaffen, um begründen zu können, dass es bei nem Fußballprofi einige gute sachliche Gründe für die Befristung gibt. Übrigens wollen meistens die Spieler ja auch selbst die Befristung...was ebenfalls die befristung über mehr als 2 Jahre rechtfertigt.


    Sollte dieses Urteil wirkllich überleben, würde es lustig werden.....

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  • Nun ja, bei einer Neuregelung hätten die Spieler zwar unbefristete Verträge, aber danach eben ein normales Kündigungsrecht. Insofern würden sie profitieren. Aber warten wir mal ab. Ob das Urteil Bestand hat, oder nicht, würde es jemand kippen, müsste es dafür schon eine verdammt gute Begründung geben, denn nur, weil der Profifußballer ab Mitte 30 nicht mehr arbeitsfähig ist, rechtfertigt das ja keine Befristung an sich.

    "When life gives you lemons, go murder a clown."

  • Der FcB hätte noch einen relartiv geringen Schaden davon, weil wir nicht auf hohe Ablösen angewiesen sind, aber die ganzen Ausbildungsvereine wie Mainz und Co gehen dann Pleite.


    Naja, da wird so auf keinen Fall durchgehen.

    Da kommt ihr nie drauf!

  • Doch. natürlich würde ein Verlust der Arbeitsfähigkeit die Befristung rechtfertigen. Das würde im übrigen auch eine ordentliche Kündigung eines unbefristeten Vertrages rechtfertigen. Nur: wer stellt denn fest, ob jemand mit 35 noch Profifußball spielen kann? Da brauchst Du dann ärztliche Gutachten etc etc....das ist natürlich alles völlig unkalkulierbar...


    Im übrigen würde es natürlich auch für ne Menge Spieler, die ein Verein loswerden will, lustig werden.
    Dann würden plötzlich Abmahnungen bei schlechtem Training ausgesprochen, damit man Kündigungsgründe aufbauen kann etc etc etc...


    Im Regelfall würde man es wohl dahin kriegen, dass man ausdrücklich vereinbart, dass beide Seiten auf der Befristung bestehen, dann kann der Spieler anschließend nicht gegen die Befristung klagen.


    Aber wie gesagt; die beiderseitige Interessenlage kann man mE durchaus jetzt schon dahingehend auslegen, dass jede Befristung bis zu 5 Jahren (länger kann man Spieler ja sowieso nicht binden in Deutschland) zulässig ist. Es würde mich echt wundern, wenn das vom LAG oder auch vom BAG anders gesehen werden sollte...allerdings sind deutsche Arbeitsgerichte immer wieder für Überraschungen gut.....

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  • Okay, leider konnte ich den Artikel nicht fertig lesen, nachdem das hier kam:


    "Dann hätte der französische Starkicker Franck Ribéry vor drei Jahren nicht so viel Energie darauf verschwenden müssen, lauthals einen Fünfjahresvertrag bei seinem Fußballverein FC Bayern München zu fordern. "


    Sonst geht's aber schon noch, oder?

  • Der Autor hat von Fussball keine Ahnung und hat sich da was für seine Argumentation zusammen geschustert.


    Da sind noch mehr so Hauer drin. Zum Beispiel dass der Trainer dem Spieler den Vertrag vorlegt.:D

    Da kommt ihr nie drauf!

  • Den Aritkel darf man jetzt nicht mit der sportlichen Brille lesen. Ist von mir als Info darüber gedacht, dass die Diskussion unter Juristen anscheinend schon länger geführt wird und wie das in deren Kreisen gesehen wird.


    Ansonsten schließe ich mich katsche119 an, völlig weltfremd sind die Arbeitsgerichte nicht, aber manche Urteile waren schon durchaus überraschend.

    MINGA, sonst NIX!

  • es gab übrigens bereits anderslautende Urteile zu der genau gleichen Frage, wie ich heute einem Artikel in der FAZ entnommen habe. Das ArbG Nürnberg hat zB die Befristung für sachgerecht erklärt.


    Also gar nicht so verkehrt, dass jetzt mal ein oberinstanzliches Gericht drauf schaut...wobei das natürlich auch nicht bindend wäre für alle, wenn das LAG Rh-Pfalz entscheidet...ich denke mal, die werden die Revision zulassen, egal, wie sie entscheiden und schon 2017 werden wir ein höchstricherliches Urteil haben...:-)

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  • Interessant, dass genau an diesem Passus hier schon Profisportler explizit genannt werden:


    Eigenart der Arbeitsleistung
    Nach § 14 I 2 Nr. 4 TzBfG liegt ein Sachgrund vor, wenn die Eigenart der Arbeitsleistung die Befristung rechtfertigt. Dieser Grund muss nach dem gesetzgeberischen Willen eng ausgelegt werden, sonst könnte fast jeder Arbeitsvertrag durch diesen Grund befristet abgeschlossen werden. Er spielt häufig eine Rolle bei Arbeitsverträgen mit Profisportlern, Trainern, programmgestaltenden Mitarbeitern wie Regisseuren, Moderatoren und Kommentatoren oder auch mit Schauspielern, Sängern und Künstlern.


    http://www.kluge-recht.de/arbe…ete-arbeitsvertraege.html


    Es scheint also auch bereits andere Urteile zu geben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Quatsch fällt.

    "Eines Tages werden wir alle sterben, Snoopy."

    "Stimmt. Aber an allen anderen Tagen nicht."