Uli Hoeneß

  • Da hast du natürlich recht ... aber es stellt sich mir die Frage, ob das von Anfang an seine Intuition war ?


    Anfangs machst du ein, zwei Benefizspiele, dann hilfst du ein, zwei Menschen aus der Sch.eiße, gründest ne Stiftung, engagierst dich für andere Menschen, dann wirst du da und dort eingeladen und dann wirst du nicht nur über den Sport und den FCB gefragt, sondern zu ganz anderen, sozialen Themen.


    Auf einmal bist du in einem Kreislauf, aus dem du garnicht mehr rauskommst und dich darin auch irgendwie ganz wohlfühlst ... ich kann mir das gut vorstellen.


    Und trotz allem bist und bleibst du ein Mensch der mal einen Fehler macht, ohne dir vielleicht sofort bewußt zu werden, daß du so im Mittelpunkt stehst und keine Fehler mehr machen darfst.


    Ich glaube nicht, daß UH dies aus reiner Profitgier veranstaltet hat - er hat sicher an sozialem Engagement mehr Kohle rausgehauen, als er mit dieser nicht abgeführten Kapitalertragssteuer auf sein bereits versteuertes Geld verdient hat.


    Ein Fehler war es trotzdem - keine Frage. Aber ist es eine unverzeihliche Straftat ? So wie es sich momentan darstellt, neige ich zu einem klaren NEIN.

  • klar ist das nicht schön, was er da gemacht hat.


    Aber wenn ich sehe, was er alles für den FCB getan hat, und wieviel Herzblut er für "seine" Bayern gegeben hat, dann, meine ich, gibt es keinen Grund, dass er jetzt zurücktreten sollte (wie es viele schäbige käseblätter fordern) !


    Wir sollten weiterhin hinter Uli stehen, denn niemand hat mehr für den FCB getan als er !


    und außerdem...die Politiker, die jetzt mit'm Finger auf ihn zeigen, die sollten mal ganz schön ihre fr.essen halten !
    Wer sich selber ständig die Diäten erhöht, immer auf Kosten des Steuerzahlers, der steht moralisch weit unter Uli und weit unter der Grasnarbe !
    Diese ganzen Politiker sind doch moralisch bis ins Mark verdorben !


    ergo haben die kein Recht, jetzt über Uli zu urteilen !

  • Dazu äussert Uli sich nach der Saison in Doppelpass wie folgt,,


    Tja, ohne diese Ablenkungsmanöver hätten wir das Triple wohl nicht geholt. Deswegen hatten wir diesen Plan in der Winterpause geschmiedet. Die 50 Euro auf meinem Schweizerkonto hab ich natürlich nachversteuert"


    :D


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  • Wir sollten lieber vor unserer eigenen Haustüre kehren und das Maul halten-wer hat noch nicht gegen das Gesetz verstoßen? Wer hat noch nicht in seiner Steuererklärung etwas falsches angegeben? Ich behaupte das macht jeder und wenn es nur die Km-Angabe für die Pauschale ist! Ist im Sinne des Gesetzes nichts großartig anderes. Mal ehrlich, wer würde bei solch hohen Einkommen nicht versuchen das ein oder andere an der Steuer vorbei zu schaufeln. Ich hoffe und wünsche mir dass Herr Hoeneß mit einem blauen Auge davon kommt und weiter unseren geliebten FCB so führt wie er es immer getan hat. Alles gute und Kopf hoch Herr Hoeneß.

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  • Selbst wenn man dieser Meinung wäre, es gibt nunmal eine andere Gesetzeslage. An die hat sich auch ein Uli Hoeneß zu halten, sonst begeht er eine Straftat. Wenn sich in einer Gesellschaft niemand mehr an Gesetze hält, weil er sie für falsch hält, dann regiert das blanke Chaos.;-)

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  • "Genau "


    Du sprichst mir aus der Seele, besser kann mann es nicht schreiben !!!
    RIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIICHTIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIG !!!

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  • wie kann man einem user wie simpli auch noch 4 guad geben. Langsam zweifel ich am Geisteszustand einiger User hier.

    Uli Hoeneß beim DOPA am 24. Feb. 2019
    „Wenn ihr wüsstet, wen wir für die neue Saison schon sicher haben!“

  • Mir ist eine Person lieber, die Steuern hinterzieht, selbst aber dann entscheidet, für welche sozialen Projekte oder wohltätige Zwecke er sein eigenes(!) Geld verwendet, als heuchlerische unfähige Politiker, die Steuergelder am laufenden Band verschwenden oder im Ausland verbrennen! :x

  • ach quark, uli hoeneß ist eine person höheren rechts, sind gesetze aus seiner sicht falsch, kann er sich bedenkenlos darüber hinwegsetzen und das auch noch moralisch rechtfertigen

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  • habe gerade gelesen, dass spekulationsgewinne, um die es u.a. bei der nichtversteuerten summe von uh gehe soll, erst seit 2009 steuerpflichtig wurden.(laut az)


    wieder ein punkt, der bei mir weitere intensität in diesem fall rausnimmt.


    ein verein sollte wie eine familie sein: wenn jmd scheixxe baut, sollte es kritik und aufarbeitung geben,
    aber man sollte nie jemanden fallen lassen, schon gar nicht jemanden, der von breno über viele andere bis hin zu gerd müller nun wirklich schon zu sehr vielen menschen mit gravierenden problemen gestanden hat.


    ich bin nach zwei drüber geschlafenen nächten auf folgendem standpunkt: der zusammenhalt muss unabhängig von der berechtigten kritik an uh erfolgen. sozusagen kritik inkl. zusammenhalt (-;


    und ein herzliches F*CK YOU an alle bayernhater da draussen, der FCB kommt da im endeffekt wieder gestärkt raus. 1000% überzeugung. Vielleicht ja schon allein deshalb, weil uli sich jetzt, da er für die politk gestorben ist, sich wieder mehr auf das kerngeschäft FCB konzentrieren MUSS und nicht mehr einen merkelverehrenden pseudo-volkswirt mimen kann, der den FCB nur noch abstrakt vertritt. NO! BACK TO THE ROOTS!

    "Es zählt das, was bayernimherz sagt." (steveaustin10)

  • naiver glauben, uli hoeneß wird nach dieser affäre die geschäfte des fcb kaum noch wie bisher führen können, auch seine mediale wirksamkeit dürfte ein für alle mal verpufft sein

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  • Eigentlich bin ich da ganz bei dir, aber bei unseren Verein werden Mitglieder, wenn ich micht recht erinnere, allein wegen der VERDACHTES einer Straftat und sei sie noch so gering (Aufkleber in ner Toilette) und folgenden Stadionverbot das von dritten ausgesprochen wurde , aus dem Verein ausgeschlossen.
    Ist natürlich ne völlig andere Ebene und soll jetzt auch im Umkehrschluss natürlich nicht heißen das man Uli Hoeness rausschmeissen soll. Aber von wegen große Familie und man soll nie einen fallen lassen.

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  • hinzu kommt noch, dass kritische stimmen im verein nicht geduldet werden... bekanntlich werden selbst vereinsmitglieder auf jahreshauptversammlungen als personen minderen (existenz-) rechts beschimpft

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  • Es gibt unzählige schwachsinnige Gesetze die schon lange geändert gehören. Nur sollte man dagegen kämpfen anstatt sie zu brechen.
    Aber ich verurteile UH nicht. Jeder hat doch schonmal irgendetwas gemacht, sei es schwarzfahren in der Bahn oder eine Kfz-Werkstatt mal "ohne Rechnung" zu bezahlen.

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  • nun ja, aber zwischen schwarzfahren oder kaugummiklau im supermarkt und der steuerhinterziehung in millionenhöhe ist aber doch ein gewisser unterschied


    die diskussion hier treibt mittlerweile seltsame blüten, mein lieber mann... hoffe nur, dass es nicht die fans sind, die über nacht dem fcb ein schmieriges image geben

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  • ich weiß. an all diese fälle habe ich beim verfassen meines postes auch denken müssen. ich will auch, dass dieses prinzip des zusammenhalts für ALLE im verein gilt. und ich weiß, wie wenig einsatz offizielle des FCB oft für schikanierte fans gezeigt haben.


    aber wenn man nicht will, dass solch ein grundsatz, der einen verein (verEINIGUNG) ausmachen sollte, ganz verloren geht,


    kann man nicht verbitterung gegen verbitterung aufrechnen. aber ich kann verstehen, dass das ein ganz schwieriges thema ist.


    zumal ich auf jhvs auch schon vor wut gekocht habe ob des tons, den die offiziellen da gegenüber uns fans gewählt haben.

    "Es zählt das, was bayernimherz sagt." (steveaustin10)

  • Die Seite Drei, 23.04.2013


    Ermittlungen gegen Uli Hoeneß


    Drama, Baby
    ===========


    Von Andreas Burkert,Alexander Gorkow, Hans Leyendecker


    Der bayerische Barock ist seit Königszeiten berühmt dafür, dass er keine halben
    Sachen macht. Der Weg zum Himmel ist mit wenig ausgewogenen Urteilen
    gepflastert.


    Im Freistaat, in München zumal, sind die Dinge stets extrem: Die Stadt ist
    extrem schön und extrem teuer, Staatsoper und Staatsschauspiel sind extrem
    spitze, die Bombe von Schwabing, die jahrzehntelang unter einer extrem
    berüchtigten Partykneipe ruhte, hatte eine so extreme Wucht, dass im
    vergangenen Sommer bei der (mehr oder weniger) kontrollierten Sprengung in
    Teilen Altschwabings die Fenster aus den Rahmen flogen. Und, ach ja, der
    Fußball: der Zweitligaverein 1860 München - in der Mangel einerseits eines
    nervösen und grünen Lokalpolitikers namens Josef "Hep" Monatzeder ("Null Komma
    Josef"), andererseits eines recht undurchsichtigen Investors aus Jordanien
    namens Hassan Ismaik; selbst das Nichts ist hier monströs, in diesem Fall
    monströs lustig, denn die 60er sind eine einzigartige Posse von einem Verein.


    Hingegen, nur ein paar hundert Meter weiter im Süden der Stadt: Hier
    residiert der FC Bayern als eine Art Kathedrale des modernen Weltfußballs. Ein
    pumperlgsunder, milliardenschwerer, in der Bundesliga beängstigend
    konkurrenzloser Verein, der nun die nicht einmal nur theoretische Chance hat,
    den FC Barcelona aus der Champions League zu werfen. Die Bayern stünden dann
    wieder im Finale, das sie im vergangenen Jahr verloren, und zwar natürlich
    extrem unglücklich, und ebenso natürlich - Drama, Baby! - daheim im eigenen
    Stadion.


    More Drama?


    Bitte sehr!


    Das Erstaunlichste an der Erscheinung des schon zu Lebzeiten legendären Uli
    Hoeneß ist nach heutiger Kenntnis der Umstand, dass es der 61 Jahre alte
    Unternehmer und FC-Bayern-Präsident offenbar versteht, mit seinen eigenen
    Widersprüchen zu leben.


    Er predigt die Lehre des Kapitalismus und ist gleichzeitig fürsorglicher als
    ein Herz-Jesu-Sozialist. Herz und Verstand, Bauch und Kopf befinden sich bei
    ihm nicht selten im Widerstreit, und die Sache mit der Steuerhinterziehung, die
    in diesen Tagen für das ultimative Drama sorgt, ist rational kaum zu erklären:
    Rund drei Millionen Euro soll Uli Hoeneß dem Fiskus vorenthalten haben - als
    wäre er ein normaler, reicher Raffzahn, der die Mittelschicht unter der
    Steuerlast bluten lässt und sich selbst aus dem Staub macht. Seitdem
    Steuerfahnder die moralischen Stellvertreter der Gesellschaft geworden sind,
    wird die Steuerhinterziehung nicht mehr als Nebensache abgetan, und dass das
    richtig ist, würde vermutlich auch Uli Hoeneß bestätigen.


    Das nun hat mit dem bayerischen Barock wenig zu tun, denn Steuerhinterziehung
    im großen Stil ist in ganz Deutschland leider: stinkgewöhnlich. Allerdings ist
    in der Stadt der Extreme der Himmel ja tatsächlich blauer und das Licht
    luzider. Vielleicht sieht man die Welt in ihren wirklich unglaublichen
    Widersprüchen hier also noch etwas klarer.


    Während Uli Hoeneß dem Fiskus Geld vorenthielt, spendete er, so schätzen
    Freunde, jedes Jahr zwei Millionen Euro an Einrichtungen wie die Arche Berlin
    oder an Kinderhilfswerke. Für einzelne Vorträge erhält er bis zu 30 000 Euro,
    und er macht den Veranstaltern vorher klar, dass er nur komme, wenn der Betrag
    in voller Höhe gespendet werde. Für Werbeauftritte erhält er Hunderttausende
    Euro, auch dieses Geld wird stets gespendet. Falls es in diesem Jahr noch, wie
    eigentlich geplant, ein "Uli-Hoeneß-Spiel" geben sollte, wird er auch diese
    Einnahmen, die auf zwei bis drei Millionen Euro geschätzt werden, natürlich
    spenden.


    Es war auch Uli Hoeneß, der im September 2009 vor einem Bundesligaspiel in
    der Allianz-Arena eine bewegende Rede hielt, nachdem Dominik Brunner an einer
    Münchner S-Bahn-Haltestelle zu Tode geprügelt worden war. Viele der 70 000
    Besucher hatten damals Tränen in den Augen, denn hier fand jemand nach Tagen
    der üblichen Betroffenheitsfloskeln aus der Politik plötzlich die richtigen
    Worte: Da war echte Herz-Jesu-Wut zu spüren, viel Empathie und große
    Verantwortung. Es ging da um den Einzelnen, die Gemeinschaft, und was passiert,
    wenn der Einzelne in der Gemeinschaft wegschaut statt hinzuschauen. Hoeneß war
    dann auch die treibende Kraft hinter der "Dominik-Brunner-Stiftung".


    Der größte aller großen Widersprüche des Uli Hoeneß dreht sich aber nun um
    das große Geld an der Börse.


    Jeder, der Hoeneß kennt, weiß, dass er stundenlang über Finanzgeschäfte reden
    kann. Einen Teil seines Vermögens, sagt er, habe er in Aktien investiert,
    allerdings in große Werte. Ein knackiger Hoeneß-Spruch lautet: "Das Zocken
    gehört verboten." Es könne doch nicht sein, hat er dem FachblattFocus Money mal
    erklärt, dass in Philadelphia die "Maul-und Klauenseuche" herrsche, "und
    deshalb in Japan die Schweinepreise explodieren. Das ist gaga." Die Regierungen
    müssten "solche irrwitzigen Spekulationen unterbinden, denn eine
    Selbstreinigung" werde es nicht geben.


    Der Anti-Zocker aber ist selbst ein ziemlich großer Zocker, und dieser
    Umstand ist noch schwerer zu erklären als die anderen schwer erklärbaren
    Widersprüche, die jetzt als Nachrichten im Fernsehen auftauchen. Es erscheint
    alles so wie beim Blaukreuzler, der zum Fusel greift. Hoeneß, gegen den die
    Staatsanwaltschaft nach einer Selbstanzeige wegen des Verdachts der
    Steuerhinterziehung ermittelt, könnte vielleicht einigermaßen nachvollziehbare
    oder nicht völlig unplausible Erklärungen zu seinem Fall abgeben. Aber er redet
    mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht über die Ermittlungen.


    Dennoch sind die Umrisse der Ermittlungen klar.


    Im Zocker-Jahr 2000, als die kokaineske New Economy schon als überreife
    Frucht am Baum hing, war die Welt eine andere. Es war der damalige Adidas-Chef
    Robert Louis-Dreyfus, der seinem Freund Hoeneß eine Art Spielgeld in der
    Schweiz zur Verfügung stellte. Dreyfus überwies fünf Millionen Mark zum Zocken
    an der Börse auf ein Konto bei der Vontobel Bank. Außerdem gab er Hoeneß eine
    Bürgschaft über 15 Millionen Mark. Umgerechnet zehn Millionen Euro
    Startkapital, das war sogar für den Ulmer Metzgerssohn Hoeneß, der mit Anfang
    dreißig Wurstfabrikant geworden war und auch beim FC Bayern München als Manager
    viel Geld verdiente, eine verdammt große Summe.


    Vermutlich 1994 war er Louis-Dreyfus erstmals begegnet. Man traf sich in
    Herzogenaurach, wo die Fußballschuh-Fabriken sind, und man verstand sich auf
    Anhieb prächtig. Louis-Dreyfus stammte aus einer sehr vermögenden Pariser
    Kaufmannsfamilie und hatte selbst ein Vermögen gemacht. Er war gerade
    Vorstandschef bei Adidas geworden, verkörperte Eleganz, Geldadel und
    Geschäftsintelligenz. Der Absolvent der Harvard Business School teilte mit
    Hoeneß die Leidenschaft für den Fußball. Er wurde bald größter Anteilseigner
    des französischen Erstligisten Olympique Marseille und war außerdem
    Vorstandsmitglied beim belgischen Erstligisten Standard Lüttich.


    Was Hoeneß besonders imponierte: Der Freund, der Milliardär wurde, gab sich
    unauffällig, normal.


    Uli Hoeneß hat einmal erzählt, wie er und Louis-Dreyfus nach Aachen fuhren,
    wo die führenden Sportartikelhersteller und die führenden Sportmanager aus
    aller Welt sich in einem Hotel austauschen wollten. An der Rezeption des Hotels
    fragte Louis-Dreyfus nach dem Saal, dem Versammlungsort. Beschrieben wurde ihm
    dann der Weg zum Aufenthaltsraum der Chauffeure. Das, so Hoeneß, habe Robert
    Louis-Dreyfus, der so leger gekleidet war, selten eine Krawatte oder Anzug
    trug, gefallen.


    Während Louis-Dreyfus Adidas sanierte und die Renaissance des ruhmreichen
    Unternehmens geräuschlos herbeiführte, trieb Hoeneß seine Bayern zu neuen
    Einnahmequellen. Neben dem Fußball hatten beide Männer eine Leidenschaft: die
    Börse. An der Wall Street kannte man Louis-Dreyfus als Zocker, der oft die
    richtige Witterung hatte. Anfang der 1990er-Jahre war er wegen eines Verstoßes
    gegen die Insider-Regelung von der USD-Börsenaufsicht zu einer Bußgeldzahlung
    in Höhe von 213 750 Dollar verurteilt worden. Das war damals eine Menge Geld.


    Sein Freund Hoeneß hielt sich bis dahin offenbar an die Regeln. 2001 oder
    2002, ganz genau lässt sich das bisher nicht rekonstruieren, konnte Hoeneß die
    zehn Millionen Euro an Louis-Dreyfus zurückzahlen. Dann zockte er weiter. Er
    verlor viel Geld, gewann viel Geld. Da war er nicht der Einzige. Selbst die
    Mittelschicht zockte damals. Jeder wollte was abhaben von dem Wahnsinn. Es lag
    damals ein bisschen F. Scott Fitzgerald in der Luft, nur sahen die Leute halt
    nicht so gut aus. Aber auch für viele Kleine war die Welt ein großes Kasino.
    Hoeneß hat noch immer in seinem recht kargen Rattanmöbel-Büro einen alten
    Taschencomputer, auf dem er die Börsenkurse verfolgt. In den heißen Tagen
    damals vor dem 11. September 2001, sagte er mal, habe er "dreimal am Tag
    draufgeschaut und fünfmal mit der Bank telefoniert".


    War das echte Geld für ihn vielleicht virtuelles Geld? Monopoly? Ändert sich
    etwas am späteren Steuerbetrug, wenn einer nicht selbst das Geld in die Schweiz
    geschafft hat, sondern es einfach zur Verfügung gestellt bekam? Ist Geld für
    Warentermingeschäfte, Währungsspekulationen, Aktien anderes Geld? Stinkt es
    nicht?


    Hoeneß, der im Lauf seines Lebens zig Millionen Steuern zahlte, soll in den
    vergangenen zwei Jahrzehnten weit mehr als 50 Millionen Euro Steuern inklusive
    Solidaritätszuschlag an den Fiskus überwiesen haben. Aber er behandelte diese
    eigenen Millionen jedenfalls wie fremdes Geld, wie, eben: Spielgeld beim
    Monopoly. Und: Er verschwieg den Vontobel-Schatz. Dann kam 2007/2008 die große
    Finanzkrise, die schlimmer war als alle Wetten auf Schweinebäuche in Japan
    zusammen, und Hoeneß schaute nur noch alle paar Monate auf den Taschencomputer
    mit den neuesten Kursen. Erst mit der Einführung der Abgeltungssteuer 2009 -
    das war auch das Jahr, als Louis-Dreyfus starb - sollen Hoeneß' Kapitalerträge
    in der Schweiz vom Bankhaus Vontobel an den deutschen Fiskus weitergeleitet
    worden sein. Mag sein, dass er von diesem Zeitpunkt an dachte, alles gehe ja
    jetzt mit rechten Dingen zu.


    Wie jeder andere Steuerbetrüger ließ er Amnestien verstreichen, hörte nicht
    auf gute Ratschläge, und im Vorjahr setzte er dann alles auf das Zustandekommen
    des Steuerabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz. Schon im Sommer 2012
    war eigentlich klar, dass das Abkommen am Widerstand der rot-grün regierten
    Länder im Bundesrat scheitern würde.


    Aber Hoeneß hoffte bis zuletzt.


    Dann ließ er von drei Spezialisten die Selbstanzeige formulieren, die
    automatisch das Ermittlungsverfahren auslöste. Weil es aber aus Sicht der
    Staatsanwaltschaft Merkwürdigkeiten gab, lief der Vorgang nicht so geräuschlos
    ab wie sonst: Hoeneß' Haus am Tegernsee wurde durchsucht. Falls die
    Selbstanzeige nun einen formalen Fehler aufweisen sollte, was man nicht
    ausschließen kann, gilt sie nicht. Uli Hoeneß wäre dann nicht mehr der gute
    Mensch. Sondern ein gewöhnlicher Steuerbetrüger, dem dann der Prozess gemacht
    würde.


    Es ist eine bayerische Welt, in der dieser mächtige Mann lebt. Sein Haus, das
    er auf einer Waldkuppe über dem Tegernsee bauen ließ, strahlt in
    Bauernhaus-Gemütlichkeit weder Protz noch Großmannssucht ab, sondern ein
    bisschen Folklore und vor allem Gemütlichkeit. Von irgendwoher klingt
    Blasmusik, es ist der Himmel auf Erden, vor allem für Familienhund Kuno, den
    Uli Hoeneß in einem berühmten Satz verewigt hat. Es gebe zwei Traumjobs:
    Trainer beim FC Bayern oder Hund bei Hoeneß.


    Es ist auch eine christlich-soziale Welt, eine Welt klarer Aufgabenteilungen
    und sozialer Verantwortung. Uli Hoeneß sorgte als Fußballprofi und Manager für
    das Einkommen, seine Frau Susi erzog die Kinder. Er brachte den Finanzhaushalt
    des FC Bayern in 30 Jahren so auf Vordermann, dass es heute in der Welt
    vielleicht noch ein, zwei Klubs gibt, die über ähnliche Umsatzzahlen, Erträge
    und Rücklagen verfügen. Sie organisiert den privaten Haushalt und erledigt die
    häuslichen Dinge des Alltags mit ähnlicher Gewissenhaftigkeit wie ihr Mann
    seine geschäftlichen Transaktionen. Wer im Hause Hoeneß zu Gast war, schwärmte
    von fabelhaft bürgerlicher Küche, viel Wärme, großer Offenheit und
    stundenlangen, kontroversen Diskussionen. Dabei war aus dem einst in der
    Republik verhassten und oft beißwütigen Bluthochdruckler vom FC Bayern über die
    Jahre ein vergleichsweise toleranter Zeitgenosse geworden, der bei Gesprächen
    mit Journalisten daheim oder in seinem Büro an der Säbener Straße seine - vor
    allem: politische - Unabhängigkeit zu betonen nicht müde wurde.


    Das war - als es noch Gut und Böse und rechts und links gab, als die
    Schwarzen noch für die Atomkraft waren und die Grünen gegen Kriegseinsätze -
    mal anders gewesen: Zeigte die CSU in Bayern auf Uli Hoeneß, so zeigte sie
    immer auch auf sich. Hoeneß, der mit 19 sein Lehramtsstudium abbrach, um
    Fußballprofi zu werden und seine glanzvolle Karriere schon mit 27 wegen einer
    Knieverletzung wieder aufgeben musste, fiel der Partei quasi in den Schoß,
    weshalb sich die Ministerpräsidenten Goppel, Strauß und Stoiber gerne seiner
    Nähe rühmten. Ein Linker ist aus Hoeneß inzwischen zwar nicht geworden, aber
    immerhin sympathisierte er sowohl mit Joschka Fischer wie auch erst kürzlich
    mit dem SPD-Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt in München.


    Wenn es bis vor wenigen Tagen für Uli Hoeneß noch eine ungeklärte,
    weltanschauliche Frage gab, dann diese hier: Ob sein Lebenswerk, der FC Bayern,
    am Dienstagabend den immer noch weltbesten Fußballverein, den mystischen FC
    Barcelona, schlagen wird.


    Am Montag nun ist Uli Hoeneß aufgewacht, nach einer sehr kurzen Nacht. Er hat
    sich in den Zeitungen und in den Nachrichten einen Überblick verschafft über
    die öffentliche Meinung. Man muss das eigentlich nicht erwähnen: Es geht ihm
    nicht gut, er leidet wie ein Hund. Daheim klingelt ständig das Telefon, und am
    liebsten würde er jetzt sehr gerne alles erklären, seinen: "Riesenfehler".
    Erzählen, wie er zumindest zuletzt sein Unrechtsbewusstsein verdrängt haben
    muss, weil er in den vergangenen vier Jahren auch in der Schweiz
    Abgeltungsteuer etwa auf Dividendengewinne gezahlt hat. Wie ihn jetzt die
    mutmaßlichen Phantasiesummen zur Weißglut bringen, auf die einige Medien sein
    Konto taxiert haben. Mehrere hundert Millionen Euro in der Schweiz? Das könnte
    Uli Hoeneß angesichts der Bilanzsumme seiner Wurstfabrik - Umsatz rund 50
    Millionen Euro - legal nicht verdient haben.


    Mauscheleien mit dem damaligen Adidas-Chef Louis-Dreyfus? Keine Belege. Aber
    wieso richtet jemand seinem Freund ein Konto mit einem Startkapital von 20
    Millionen Mark ein? Verrückte Welt.


    Nach jetzigem Kenntnisstand sind die Dinge womöglich so profan wie
    unheimlich: Hier hat einer, der das Herz am richtigen Fleck hat und weiß, was
    ein einfacher Angestellter arbeiten muss, um sich eine Jahreskarte beim FC
    Bayern leisten zu können, hier hat einer, der nie dem Archetypen des Bonzen
    entsprach, sein Konto in der Schweiz irgendwann selbst für ein Spielkonto
    gehalten. Dafür spricht, dass Uli Hoeneß zwar zockte, das Geld aber nie
    materialisierte, also nie mit den hinterzogenen Millionen Anschaffungen
    tätigte. So also kann ein mit Empathie ausgestatteter Mann auf dem Boden der
    Tatsachen stehen - und gleichzeitig abheben.


    Das nun ist eine Groteske mit Graubereichen, die man mit Uli Hoeneß, der in
    der öffentlichen Meinung bisher entweder "der Gute" oder "der Böse" war, noch
    nicht in Verbindung gebracht hätte.


    Vermutlich kaum wer bekam die Wucht des Uli Hoeneß in den vergangenen
    Jahrzehnten so ungefiltert zu spüren wie der Fußball-Kommentator Marcel Reif.
    Dem wollte der Emotionalist Hoeneß schon mal Stadionverbot erteilen, weil er
    durch Reif seinen FC Bayernon air geschmäht sah. Die Fehde beschäftigte den
    Boulevard nicht zu knapp.


    Heute, kann man sagen, sind die beiden sich in kritischer Zuneigung so weit
    zugetan, dass Reif am Montag am Telefon zu den sehr wenigen Menschen im nahezu
    hysterischen öffentlichen Diskurs gehört, die sich weigern, ein Urteil zu
    sprechen, geschweige denn, Hass und Spott über den Bayernpräsidenten
    auszuschütten. Reif sollte zu Jauch in die Sendung, er sollte zu Plasberg in
    die Sendung, er sollte zu Illner in die Sendung.


    "Aber was soll ich sagen?", fragt Reif. "Dass ich ratlos bin? Natürlich bin
    ich das."


    Dass Reif durch die Sache angefasst zu sein scheint, das liegt auch daran,
    dass er weiß, wie es ist, wenn du nicht nur kritisiert, sondern gejagt wirst -
    und sei es durch die ja nicht nur sogenannten User im Netz. Er sagt: " Viele
    von uns haben irgendwann mal begriffen, dass Uli Hoeneß nicht nur ein
    kapitalistischer Gewaltmensch ist. Sondern eben ein Mensch mit einem sehr
    großen Herz. Viele von uns müssen nun begreifen, dass auch ein solcher Mensch
    offenbar Fehler macht."


    So weit, so schlecht, so justitiabel. Aber, sagt Reif: "Die Debatte, die da
    jetzt geführt wird, nämlich ob Uli Hoeneß grundsätzlich noch mal ein Recht hat,
    ein Vorbild zu sein - die gefällt mir nicht, verstehen Sie? Hoeneß hat sich zu
    so derartig vielen Punkten vorbildlich verhalten, da könnten sich sehr viele
    sehr reiche Menschen in Deutschland was abschauen. Was seine Steuerschuld
    angeht, bin ich froh, dass wir eine Justiz haben. Und keine Volksjustiz. Wie
    die Lebensleistung von Uli Hoeneß mal bewertet werden wird, da verrate ich
    Ihnen was: Das werden Sie nicht entscheiden, das wird keine Talkshow
    entscheiden. Das wird neben Uli Hoeneß nur die Zeit entscheiden!"


    Über den Schmutz, der nun über ihm reinbricht, wird sich Uli Hoeneß nicht
    wundern. Doch gibt es da etwas, was ihn neben der großen, öffentlichen
    Schlachtung besonders anfasst: Dass jetzt über geheime Gelder des FC Bayern
    geraunt wird, einige Spinner raunen sogar von Drogengeld und anderem.


    Es wird in München auch spekuliert, ob Hoeneß nun verschwindet, untertaucht,
    womöglich in die USA, weit weg von allen Kameras und Objektiven, die sich am
    Wochenende schon auf seinem Grundstück am Tegernsee postierten. Aber Hoeneß
    bleibt.


    Und während die formale Hauptstadt Berlin nach einem mühevollen Sieg über
    Sandhausen froh ist, überhaupt wieder in der 1. Bundesliga spielen zu dürfen,
    gibt es in der Welttheatermetropole München nun - natürlich - das ganz große
    Drama: Uli Hoeneß wird auf der Tribüne sitzen am Dienstagabend, wenn der FC
    Bayern den FC Barcelona empfängt. Lionel Messi kommt, der Heilige des Balls.
    Als wäre dies nicht schon wahnsinnig genug. Doch werden die Kameras nicht nur
    den kleinen Argentinier suchen. Klar kommt er, sagt Uli Hoeneß, was für eine
    Frage!


    Er hat auch mitgeteilt, dass er als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender
    des FC Bayern nicht abzutreten gedenke. Darüber zu reden, sei jetzt nicht der
    richtige Zeitpunkt. Er will da durch.


    Wie nervös sie sind beim deutschen Rekordmeister, das ist am Montagmittag mit
    Händen zu greifen: Der Mediendirektor des Vereins kündigt den vielen
    internationalen Journalisten an, bei der Pressekonferenz mit Trainer Jupp
    Heynckes und Kapitän Philipp Lahm seien Fragen zur Causa Hoeneß unerwünscht.
    Andernfalls werde man den Termin abbrechen.


    Die Moral ist das eine.


    Alles andere lässt sich kurz und knapp gerade so zusammenfassen: Gut wäre ein
    Sieg gegen Barça.

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