Der FCB im Allgemeinen

  • die »Arisierung« verlief beim FCB in der Praxis aber langsamer als in anderen Großvereinen.


    Mir schleierhaft, wie die Faktenlage, soweit bekannt, so einen Schluss zulässt.


    Man muss doch zunächst berücksichtigen, dass bei uns vermutlich zum Zeitpunkt der Machtergreifung deutlich mehr Juden, oder was die Nazis dafür hielten, Mitglieder waren als z.B. bei 60 oder anderen weniger gutbürgerlichen Klubs. Von daher ist es nur logisch, dass wir auch später "judenfrei" waren, zumal die Pflicht, einen Judenstern zu tragen, im Deutschen Reich ja erst ab 41 bestand. Nicht vergessen sollte man in diesem Zusammenhang auch, dass erst 35 klar wurde, wer überhaupt als "Jude" zu gelten habe.


    Auch bräuchte man Vergleichswerte anderer Vereine, wenn man denn wenigstens genau wüsste, wie schnell die Arisierung beim FCB tatsächlich erfolgte.


    Wenn Herzog auf was Rumprügeln wollte hätte er sich gerne die unsäglichen AReisen und das Sponsoring von Katar auusuchen dürfen, da hätte er meinen kompletten Segen. Hier versucht er eher Effekte mit etwas zu erzielen, was so nicht haltbar ist.


    Niemand prügelt. Es wird lediglich eine Debatte angestoßen.

    Uli. Hass weg!

  • Man muss doch zunächst berücksichtigen, dass bei uns vermutlich zum Zeitpunkt der Machtergreifung deutlich mehr Juden, oder was die Nazis dafür hielten, Mitglieder waren als z.B. bei 60 oder anderen weniger gutbürgerlichen Klubs. Von daher ist es nur logisch, dass wir auch später "judenfrei" waren, zumal die Pflicht, einen Judenstern zu tragen, im Deutschen Reich ja erst ab 41 bestand. Nicht vergessen sollte man in diesem Zusammenhang auch, dass erst 35 klar wurde, wer überhaupt als "Jude" zu gelten habe

    Wenn es einen §§ gab der regelt wer "Arier" ist und wer nicht, dann war dies per se erstmal nicht schwer umzusetzten. So man den nötigen willen zeigt. Das haben andere Institutionen" ganz gut hinbekommen". Ärztekammer, Rechtsanwälte etc.


    Sowohl bei Kämpfer, als auch bei DS lässt sich nachlesen(bzw. in deren Quellen) das es an der Umsetzung gehappert hat. Natürlich hatten es Vereine - wie München Blau- die vorher schon auf Regimlinie lagen einfacher dies durchzuführen, da es eh kaum was gab was nicht dem Willen des Regimes entsprach.
    Aber wenn ich als Verein wirklich gewollt hätte- und nichts anderes suggeriert Herzog, dass der Verein wollte und Tat - dann wäre es zu der damailigen Zeit wirklich kein Problem gewesen alle nicht gewünschten Personen schnell rauszuschmeissen... Und hier liefert herzog ausser dem §§ nichts substanzielles...



    Niemand prügelt. Es wird lediglich eine Debatte angestoßen.

    Das Herzog selber eine Debatte anstoßen wollte sei ihm umbenommen. Das ist ja auch der Job von Wissenschaftlern. Aber das Wie ist dann doch entscheidend.


    Die Art wie es im Spiegel aufgemacht wurde ist sehr reiserisch.
    Seine "neuen" Thesen hätte zumindest der Spiegel gleich DS und Kämpfer zu "Gegenrede" vorlegen können/müssen, was sich eigentlich gehört hätte, den so hätte eine Debatte aussehen können
    Die Veröffentlichung am Tag des Pokalfinales um max. Aufmerksamkeit erreichen hinterlässt dann ach eher ein Geschmäckle. Das meinte ich mit prügeln.

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  • die frage lautet doch:


    wie wissenschaftlich ist es, wenn ich in protokollen festgehaltene satzungsänderungen als praktizierte tatsachen festsetzen will?


    die möglichkeit, satzungen nach außen in einer weise zu gestalten, dass man dem regime ein offzielles dokument in die hand drücken kann, damit dieses ruhe gibt, zieht herzog scheinbar nicht in betracht.


    therorie und praxis müssen bei weitem nicht deckungsgleich sein.


    das ist es wohl was DSM als "von herzog nicht verstandene komplexität des FCB" bezeichnet. und über die tatsächliche praxis beim FCB traue ich DSM die wesentlich feingliedrigere, weil auf eine wesentlich heterogenere, umfangreichere sammlung an überlieferungen orientierte, expertise zu.


    so bringe ich jedenfalls meinen persönlichen überblick zu diesem thema auf den punkt.

    "Es zählt das, was bayernimherz sagt." (steveaustin10)

  • Die Rolle der Sportvereine und -verbände in der frühen Nazizeit ist insgesamt so beschämend, dass es sich eigentlich verbieten sollte, darüber zu streiten, ob man nun selbst einen Hauch ehrenvoller gehandelt hat als andere. Individuelle Heldengeschichten kennen vermutlich alle Vereine.


    Fakt ist, dass wir die Einladung der Stuttgarter Kickers (einem weiteren "Judenklub") annahmen und uns zusammen mit den anderen großen süddeutschen Fußballvereinen schon kurz nach der Machtergreifung verpflichteten, u.a. Juden auszuschließen.


    Landauer hatte man zu dem Zeitpunkt bereits zurücktreten lassen. Kurze Zeit später folge die Tilgung seiner Mitgliedschaft. Und auch einen jüdischen Trainer hatte man längst nicht mehr.


    Falls Bayern in dieser Frage wirklich "besser" war als der eine oder andere Konkurrent, dann jedenfalls auf niedrigstem Niveau, sodass die Frage eigentlich keine Rolle spielen sollte.


    Bleibe dabei: Bayern hat sich lange dagegen gewehrt, seine Rolle in der NS-Zeit zu beschönigen. Kaum einer kannte die Namen Landauer oder Richard "Dombi" Kohn. Mir-san-mia funktionierte trotzdem.

    Uli. Hass weg!

  • völliger unsinn. wenn man mal die historischen fakten nüchtern betrachtet haben wir wesentlich später mit der arisierung begonnen, obwohl wir schon vorher als judenclub galten, haben mit dem gruß an landauer in der schweiz ein deutliches zeichen gesetzt was damals zielmlich gefährlich war (es kamen menschen wegen geringerer "vergehen" in den knast und ins kz) und haben auch rasch nach der befreiung wieder einen juden zum präsidenten gemacht als viele andere vereine immer noch stark antisemitisch waren (judenhass war nämlich nicht schlagartig ab mai 45 vorbei). insofern ist unsere geschichte deutlich anders als die der meisten anderen vereine. das kann man jetzt sicher wieder diskutieren wenn man unbedingt und auf teufel komm raus gegen den strom schwimmen will und hier gegenwind erzeugen möchte. diese persönlichen komplexe sollten aber nicht in die diskussion eingebracht werden.


    eine heldengeschichte hat keiner geschrieben, aber die feststellung dass unsere geschichte sich deutlich von der der meisten anderen unterscheidet ist einfach nüchterner fakt. dies nicht erkennen zu "könen", bedeutet, es nicht erkennen zu wollen. wenn man weiß von wem es kommt, relativiert es sich aber auch wieder.

  • Als Schalker an dem Tag zu heiraten dürfte so ungefähr der worst-worst-case sein. Daran denkt man doch mit Freuden alljährlich zurück :D:D


    Bisschen leid tun sie mir im Nachhinein aber schon. Viele da tragen ihren Verein wirklich im Herzen, manche stehen kurz vor der Rente und haben noch keine Deutsche Meisterschaft erlebt und dann reissen wir ihnen die Schale nach vier Minuten Jubel wieder aus der Hand.


    Aber...ohne Zweifel einer der grössten Momente meines FCB-Fanlebens. Ich lag schon heulend aufm Bett und dann...nur noch schreien und ungläubiger Jubel. Ein großer Tag war das...und hey, jedes Jahr denken Millionen Bayern-Fans glücklich an den Hochzeitstag von Familie Husemann aus Gelsenkirchen. Wer kann das schon von sich behaupten...

  • Ich hätte es ihnen schon gegönnt, dass sie nach 50 Jahren mal wieder den Titel holen, jedenfalls mehr als den Zecken. Leider haben sie aber die Gründe für das Versagen bei allen anderen, nur nicht bei sich selbst gesucht, das unterscheidet uns von ihnen nach den schlimmsten Niederlagen.

  • Ich hätte es ihnen schon gegönnt, dass sie nach 50 Jahren mal wieder den Titel holen, jedenfalls mehr als den Zecken. Leider haben sie aber die Gründe für das Versagen bei allen anderen, nur nicht bei sich selbst gesucht, das unterscheidet uns von ihnen nach den schlimmsten Niederlagen.

    Also den Schalkern bei der Geschichte Versagen oder eigene Schuld zuzuweisen, finde ich mutig :D


    Das war so ungefähr die bitterste Stunde für jeden Schalke Fan und ausnahmsweise konnten sie nun wirklich gar nichts dafür.

  • Also den Schalkern bei der Geschichte Versagen oder eigene Schuld zuzuweisen, finde ich mutig


    Das war so ungefähr die bitterste Stunde für jeden Schalke Fan und ausnahmsweise konnten sie nun wirklich gar nichts dafür.

    Sie hatten es voher in der Hand, alles klar zu machen, und haben es nicht getan, ich denke da an das Unentschieden in Bochum, sowie einen Spieltag vorher die Niederlage in Stuttgart bei unserem gleichzeitigen Sieg gegen Lautern, als sich das Balakov- und Zickler-Tor auch nur um vier Sekunden unterschieden.

  • Vorallem das Abwartenspiel in Stuttgart. S04 machte nichts fürs Spiel. Da haben sie es selber verbockt.


    Ran

    Das ganze Stadion wird gegen uns sein bis auf die Bayernfans wird ganz Deutschland gegen uns sein, was Schöneres gibt es nicht!

  • ok...


    Quote

    Der Verein FC Bayern könnte gelöscht werden. Das beantragt ein Jurist vor Gericht. Weil er sogar gute Chancen hat, könnte die Bundesliga vor einer Grundsatzfrage stehen.

    http://www.zeit.de/sport/2016-…amtsgericht-muenchen-adac


    um direkt zu beruhigen:


    Nun, die Bayern-Hasser sollten sich keine Hoffnung machen, der FC Bayern wird den Spielbetrieb nicht einstellen müssen. Aber sollte das Gericht Leuschners Antrag entsprechen, steht der FC Bayern vor einem Problem. Und mit ihm der gesamte deutsche Profifußball. Denn Leuschner, dem Experten für Vereinsrecht, geht es nicht speziell um den FC Bayern, sondern um Grundsatzfragen:


    • Welche Struktur muss ein Verein haben, der in Deutschland Profifußball spielt?
    • In welchem Umfang darf ein Verein wirtschaften, wie viel Geld darf er umsetzen, welchen Einfluss darf er auf seine Tochtergesellschaften nehmen?
    • Oder, denkt man ein bisschen weiter: Warum dürfen in Deutschland nur Vereine Fußball spielen?

    :D

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  • Der Artikel ist... nun ja, ich enthalte mich besser einer Wertung.


    Bei Zweckverfehlung wird ein Verein eben nicht aufgelöst. Ihm wird lediglich die Rechtsfähigkeit aberkannt.


    Selbst im schlimmsten Fall wären wir daher ein nicht rechtsfähiger Verein. Auf diesen sind die Vorschriften über die GbR anzuwenden und diese ist im Außenverhältnis als teilrechts- und parteifähig anerkannt.


    Was das für die Zugehörigkeit zu DFB/DFL bedeutet weiß ich nicht genau. Im Zweifel dürften dort dann halt Sonderregelungen geschaffen werden.


    Aufgelöst werden wir aber gerichtlich nicht. Egal wie das Amtsgericht oder höhere Instanzen am Ende entscheiden.

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  • Na ja. Weil nach der DFL Spielordnung eigentlich ein Verein die Mehrheit an der Lizenzinhaberin haben muss. Bei Auflösung wäre das nicht mehr der Fall.


    Aber da wir aus den erwähnten Gründen ja auch nicht aufgelöst würden, sondern bloß ein "nicht rechtsfähiger Verein" wären, der aber nach faktischer Rechtslage trotz dieser Bezeichnung tatsächlich doch rechtsfähig ist, ist das alles ziemlich albern und offensichtlich nur ne Nummer, mit der sich jemand aufspielen will.

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  • Wie sind diese ideellen Zwecke, mit denen der Knallkopf da argumentiert, denn rechtlich definiert?
    Was hat der Umsatz der AG mit dem eV zu tun?


    Wäre natürlich ein Treppenwitz, wenn ausgerechnet so etwas nun 50+1 kippt, nachdem die Hopps, Mateschitz und Ismaiks dieser Welt bisher die Füße still hielten, obwohl eine Klage wohl sehr Erfolg versprechend wäre...
    Und dann ein angeblicher Bayernfan. Gruselig, wirklich. Da will einer mal unbedingt Recht haben. "Herr Lehrer, ich weiß was...".
    Volltrottel, wirklich.

  • Wie sind diese ideellen Zwecke, mit denen der Knallkopf da argumentiert, denn rechtlich definiert?
    Was hat der Umsatz der AG mit dem eV zu tun?

    Für unsere Diskussion hier reicht die Wiki-Definition aus:


    "Idealverein ist ein Verein, der

    • nicht primär die wirtschaftlichen Belange seiner Mitglieder fördert,
    • keine Leistungen und Waren auf dem Markt anbietet oder dies zumindest nicht als Hauptzweck ansieht,
    • seinen Mitgliedern keine unentgeltlichen Leistungen zukommen lässt oder seine Mitarbeiter nicht unangemessen hoch bezahlt."

    Danach wäre es tatsächlich problematisch, wenn die Umsätze der AG dazuzurechnen wären. Gerade das widerspricht aber wohl der BGH Sicht. Dennoch bekommt der eV ja nicht ganz kleine Dividenden durch die Beteiligung an der AG. Ob das bereits so schwerwiegend ist, wird man sehen müssen.


    Aber wie gesagt, selbst wenn es wie beantragt zur Löschung aus dem Vereinsregister führen würde, wäre dadurch nicht der Verein "aufgelöst", wie es die Überschrift impliziert.

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  • Ist sicher auch nicht zu kritisieren, dass der Prof. für sich in Anspruch nimmt, Bayernfan zu sein. So kann man ihm wenigstens keinen Vorwurf bei der Wahl seines Exempels machen. Aus unabhängiger Sicht.


    Es geht ihm ja erkennbar um etwas ganz anderes. Um den längst bekannten Misstand, dass in diesem Bereich gelebtes und geschriebenes Recht kaum noch kompatibel sind.


    Und wie schon geschrieben werden wir kaum Schaden nehmen. Eine Klarstellung und ggf. anschließende gesetzgeberische Korrektur ist im Interesse aller Vereine - daher im Ergebnis auch für uns.

    Uli. Hass weg!