Football Leaks

    • Football Leaks

      Ich denke mal es macht sinn hierfür einen eigenen Thread zu erstellen und darin alles zu Posten was sonst so außerhalb unseres Vereins ans Licht kommt.

      Hier gehts um Monaco

      Spiegel wrote:


      Die romantische Version geht so: Ende des Jahres 2011 stand der Fußballklub AS Monaco auf einem Abstiegsplatz der zweiten französischen Liga, es herrschte Geldmangel. In der Stunde der größten Not erschien der russische Oligarch Dmitrij Rybolowlew, ein kunstbeflissener Mediziner, steckte ein Vermögen in den Klub – und beförderte den AS Monaco innerhalb von nicht einmal drei Jahren in die Champions League.
      Nach der Anschubfinanzierung durch den Wohltäter aus Russland, so die Legende, finanzierte sich der Klub, der einige der aufregendsten Talente des europäischen Fußballs herangezogen hatte, fortan größtenteils aus eigener Kraft – allein der Verkauf hochbegabter Spieler wie Kylian Mbappé, Benjamin Mendy, Thomas Lemar und Anthony Martial hat den Monegassen in den letzten drei Jahren mehr als 350 Millionen Euro eingebracht.
      Doch wie so viele schwärmerische Geschichten erzählt auch dieses Fußballmärchen von der Cote d’Azur nur einen Teil der Wahrheit. Der andere Teil ist schmutziger. Er lässt sich dank der Unterlagen von Football Leaks erzählen, die die Enthüllungsplattform dem SPIEGEL übergab und die das Nachrichten-Magazin mit den Partnern des Recherchenetzwerkes European Investigative Collaborations (EIC) ausgewertet hat.
      Demnach unterzeichnete der AS Monaco im Juni 2014 mit einer Vermarktungsfirma aus Hongkong einen Vertrag, der den Wächtern der Financial-Fair-Play-Regeln der Uefa Einnahmen von 140 Millionen Euro jährlich vorgaukeln sollte. Aus den Dokumenten geht hervor, dass dieser Zehn-Jahres-Vertrag ein großer Bluff war – ein Scheingeschäft, an dem auch eine Firma beteiligt war, die vermutlich zum Imperium des AS-Monaco-Besitzers Rybolowlew gehörte.
      Im Sommer 2014 herrschte beim AS Monaco Panik. Die Klubbosse mussten sich darauf einstellen, dass die Uefa einen tiefen Einblick in die Gewinn- und Verlustrechnungen verlangen würde. Der Grund dafür war eigentlich erfreulich: Der AS Monaco hatte sich für die kommende Champions-League-Saison qualifziert. Damit verbunden war allerdings auch, dass sich Monaco an die Regeln des Financial Fair Play halten musste – und die sahen vor, dass ein Verein nicht von den Zahlungen eines Besitzers abhängig war und zudem in den zurückliegenden drei Jahren maximal 45 Millionen Euro mehr ausgeben als einnehmen durfte.
      Im Fürstentum wussten sie genau, dass sie diese Vorgaben deutlich verletzt hatten: Der AS Monaco hatte allein in der abgelaufenen Saison ein Defizit von 99 Millionen Euro angehäuft, gut 50 Millionen über dem Limit. Zudem hatte der Klub fast ausschließlich von den massiven Zuwendungen seines russischen Eigentümers gelebt. Wie aus den vertraulichen Unterlagen hervorgeht, hatte Rybolowlew bis dahin mehr als 320 Millionen Euro investiert.
      Im Juni 2014 schloss der Verein dann, wie aus dem Nichts, einen spektakulären Deal. Geschäftspartner war eine Firma in Hongkong. Sie trug den Namen Aim Digital Imaging und gehörte zur Schweizer Firma des Rechtehändlers Bernard de Roos, der von Luzern aus seine Geschäfte lenkt. De Roos ist einer der Schattenmänner der Fußballbranche, seit Jahren dreht er im Hintergrund am großen Rad. Laut des "Rights Marketing Agreements" erwarb Aim Digital sämtliche Vermarktungsrechte des Vereins. Im Gegenzug garantierte Aim Digital dem AS Monaco Zahlungen von 140 Millionen Euro pro Jahr – und das zehn Jahre lang. Eine bizarre Summe, gemessen an den tatsächlichen Einnahmen des Vereins durch Ticketverkauf und Werbung, die nur einen Bruchteil davon ausmachten.
      Aus den Unterlagen von Football Leaks geht hervor, dass hinter diesem 1,4-Milliarden-Euro-Vertragswerk wohl eine ganz andere Absicht steckte: ein Dreiecksgeschäft nämlich, das aus der Firma Aim Digital in Hongkong lediglich eine Durchlaufstation für verdeckte Zahlungen an den AS Monaco machen sollte.
      Am 31. Oktober 2014 schloss Aim Digital ein streng vertrauliches "Investment Agreement" mit einer Firma auf den British Virgin Islands. Ihr Name: City Concept Ventures Limited. Dieses Unternehmen verpflichtete sich, massiv in Aim Digital zu investieren, und zwar bis zu 140 Millionen Euro pro Jahr, zehn Jahre lang – zufälligerweise genau die Summe, die Aim Digital dem AS Monaco garantierte.
      Bemerkenswert daran war auch, dass der Vertrag auf Seiten der City Concept von der Vertreterin einer Firma unterschrieben wurde, die ihren Sitz in Limassol auf der Mittelmeerinsel Zypern hat. An der gleichen Postadresse ist ein Unternehmen ansässig, das vom Trust des Oligarchen Rybolowlew verwaltet wird. Die Vermutung, dass hinter dem ominösen Investor tatsächlich der Klubbesitzer des AS Monaco steckte, wird erhärtet durch interne Mails in der Führungsetage des Vereins. Dort ist nicht von einer Vereinbarung zwischen Aim Digital und City Concept die Rede, sondern "zwischen Aim und Rigmora". Die Rigmora Holdings ist die Dachfirma des Oligarchen Dmitrij Rybolowlew.
      War die Aim Digital also nur die Strohfirma für verdeckte Zahlungen von jährlich 140 Millionen Euro, die ein Unternehmen aus dem Imperium des Russen Rybolowlew an seinen Klub AS Monaco durchlaufen lassen wollte? In dem Geheimvertrag ist eine "Gebühr" für die Aim Digital vereinbart: 1,4 Prozent bei einem Investment von 140 Millionen, machte 1,96 Millionen Euro im Jahr. Das wäre dann das Schweigegeld gewesen.
      Bei einer Anhörung vor den FinancialFair-Play-Kontrolleuren der Uefa im November 2014 verkauften die Bosse des AS Monaco ihren Marketingvertrag mit der Aim als großen Wurf, als Durchbruch des Klubs in die globalisierte Fußballwelt.
      Doch die Allianz mit ihrem neuen Vermarkter hielt nur, bis die erste Rate von neun Millionen Euro fällig wurde. Denn Aim zahlte nicht, weder diese noch eine der nächsten Tranchen. Aus den Football-Leaks-Unterlagen erklärt sich nicht, warum. Womöglich hatte auch die City Concept ihre 140-Millionen-Zusage an die Aim Digital nicht eingehalten. Die Firma auf den British Virgin Islands beantwortete eine Anfrage nicht, weder der AS Monaco noch Klubbesitzer Rybolowlew kommentierten die Vorgänge.
      Klar ist: Die Sache zwischen dem AS Monaco und der Aim landete vor dem Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer in Paris. Der AS Monaco hatte dort eine Klage eingereicht, der Klub forderte von seinem angeblichen Generalvermarkter die Zahlung von 76 Millionen Euro. Das Verfahren endete Ende Juni 2015 allerdings mit einer überraschenden Wendung. Denn nicht der Beklagte zahlte, sondern der Kläger. In einem Vergleich erklärte sich der AS Monaco bereit, den Streit mit einer Überweisung von 500.000 Euro an die Firma von Bernard de Roos beizulegen.
      In den Football-Leaks-Dokumenten findet sich auch dafür eine mögliche Erklärung. Wenige Wochen vor dem Vergleich mit der Aim hatte der AS Monaco mit den Financial-Fair-Play-Kontrolleuren der Uefa eine Verständigung erzielt. Obwohl der Klub den Wirtschaftsprüfern der Uefa tiefere Einsicht in den Millionenvertrag mit der Aim Digital vorenthalten und mit einem Defizit von 168 Millionen Euro zudem massiv gegen die Etatregeln verstoßen hatte, war das Ergebnis der Untersuchungam 23. April 2015 sehr glimpflich für den Klub ausgegangen. Die Strafe lag bei drei Millionen Euro und zehn Millionen auf Bewährung.
      Einige Tage später schrieb der Geschäftsführer des AS Monaco einem Berater des Klubs, dass das Settlement mit der Uefa nun auch unterzeichnet sei. "Das sind gute Nachrichten", antwortete der Berater, "dann ist die Nuklearbombe entschärft".
      Die Nuklearbombe. Damit bezog der Berater sich auf eine Bemerkung, die Bernard de Roos im April 2015 am Rande eines Champions-League-Spiels gegenüber dem Klubchef des AS Monaco gemacht haben soll – kurz vor der offiziellen Financial-Fair-Play-Verständigung mit der Uefa. De Roos, so liest es sich in internen Mails des Klubs, soll damit auf das 1,4-Milliarden-Euro-Dreiecksgeschäft zwischen den British Virgin Islands, Hongkong und Monaco angespielt haben.
      Ein Geschäft, von dem die Uefa niemals erfahren durfte.