Hans-Dieter "Hansi" Flick

  • Sehe ich etwas anders. In anderen Ländern läuft das auch definitiv anders. Ich denke schon das man einen speziellen Fokus auf dt. Spieler legen sollte. D.h. nicht, dass man keine ausländischen Spieler ausbilden soll. Ich finde nur das im Jugendbereich allgemein (bei Profiklubs) zuviel im Ausland gefischt wird.

    Und warum? Mir würde da eigentlich nur einfallen, dass die Integration bei deutschen Spielern einfacher ist.

  • Und warum? Mir würde da eigentlich nur einfallen, dass die Integration bei deutschen Spielern einfacher ist.

    Mir geht es weniger um die Integration, sondern vielmehr um die Verantwortung Deutschland gegenüber. Vielleicht bin ich altmodisch, aber etwas patriotisch bin ich schon.

    Es wäre heute nicht so, wie es ist, wäre es damals nicht gewesen, wie es war.

  • Mir geht es weniger um die Integration, sondern vielmehr um die Verantwortung Deutschland gegenüber. Vielleicht bin ich altmodisch, aber etwas patriotisch bin ich schon.

    Du als Jugendtrainer weißt aber doch auch, dass man sich Spieler nicht schnitzen kann. Erst Recht nicht, umso weiter es nach oben geht.


    Das natürliche Talent lässt sich nicht trainieren. Man kann vieles mit Fleiß und hartem Training bestimmen und auch erreichen. Aber das in die Wiege gelegte Talent hat man, oder man hat es nicht.


    Das war möglicherweise vor 20 Jahren noch anders, als Ballzertreter wie Ramelow als Topspieler galten. Mit so wenig Talent im Fuß wird man aber nicht mehr Profi. Wie ein Ackergaul zu rennen und alles weg zu treten was einem in die Quere kommt reicht heute wohl nicht mal mehr für die dritte Liga.

  • Das war möglicherweise vor 20 Jahren noch anders, als Ballzertreter wie Ramelow als Topspieler galten. Mit so wenig Talent im Fuß wird man aber nicht mehr Profi. Wie ein Ackergaul zu rennen und alles weg zu treten was einem in die Quere kommt reicht heute wohl nicht mal mehr für die dritte Liga.

    Das mag sein, aber so wirklich funktionieren tut die Ausbildung ja aktuell auch nicht. Und damit meine ich die letzten 10, 12 Jahre und alle Vereine.

    Es fällt doch auf, dass wir seit Klose, Gomez keinen einzigen echten Strafraumstürmer hervorgebracht haben. Werner und Müller, die beide keine 9er sind, sind da noch die besten. Wir haben seit Lahm keinen wirklichen Außenverteidiger entwickelt.


    Was genau hat man aber hervorgebracht? Ein paar gute Offensivallrounder wie Havertz, Sané oder Gnabry und den ein oder anderen Mittelfeldspieler, aber auch nicht wirklich in großer Menge. Neben Kroos hast du noch Kimmich und auch Goretzka, die beide recht klassische Spieler sind, aber mehr ist auch da nicht. Auch in der Abwehr hat man doch nach Hummels und Boateng keine spielstarken Verteidiger hervorgebracht. Tah und Rüdiger sind ja nun eher Holzhacker.


    Wenn also reines Talent nicht mehr reicht, genau so aber auch nicht harte Arbeit ohne Talent, dann frage ich mich, was in der Ausbildung schief läuft, dass dz von Hamburg bis München, von Gladbach bis Cottbus, keine oder kaum Spieler hast, die sich von den vorher angesprochenen Ramelows dieser Welt unterscheiden.

    "When life gives you lemons, go murder a clown."

  • dreydel


    Das hat mehrere Gründe. Es fehlen die Straßenfußballer, die dich auf engstem Raum stehen lassen und du im Anschluss nicht mehr weißt, wo oben und unten ist.


    Genau das ist bei Vereinen und dem DFB nicht gerne gesehen. Für Individualität ist kein Platz, man wird dann schnell aussortiert. Sei es nun das individuelle Auftreten auf oder neben dem Platz. Auch wenn ich Scholl nicht mehr hören kann, so hat er mit folgenden Äußerungen völlig Recht:


    Der 47-Jährige nennt dabei auch explizit Namen: "Die Tedescos, die Wolfs, sie sprießen aus dem Boden, und der deutsche Fußball wird sein blaues Wunder erleben." Scholl selbst hat den Lehrgang 2012 absolviert.


    Vor allem in der Nachwuchsarbeit hätten seiner Meinung nach solche Fußballlehrer nichts zu suchen: "Wir verlieren die Basis. Die Kinder müssen abspielen, sie dürfen sich nicht mehr im Dribbeln ausprobieren. Sie bekommen auch nicht mehr die richtigen Hinweise, warum ein Pass oder ein Dribbling nicht gelingt. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen."


    Zu Kimmich gab es vor Wochen mal bei SPOX einen sehr interessanten und lesenswerten Artikel. Man müsste meinen, dass ein Spieler wie er bereits alle U-Mannschaften dominiert hat. Fehlanzeige! Er wurde teilweise aussortiert weil er zu klein war. Was bleibt dann am Ende übrig, wenn du in den U-Mannschaften nach Physis gehst? Vermutlich zentrale Spieler, die auch später über eben jene Physis kommen und ihren Gegnern nur aufgrund dessen im Juniorenbereich überlegen sind. Die technisch starken Spieler, die wendigen und schnellen Außenspieler bleiben aufgrund der Physis auf der Strecke. Fraglich ist an der Stelle aber sich definitiv, wieso dann keine MS heranwachsen, sondern es stets ähnliche Spieler im ZM und der IV sind...


    Kimmich hat es dennoch nach oben geschafft, aber wie viele talentierte Spieler da draußen wurden wegen ihrer Physis aussortiert und nicht oder unzureichend gefördert?

    Ein interessanter Ansatz soll wohl ab 21/22 kommen, wenn ich die Saison noch richtig im Kopf habe. Das bisherige U-System soll revolutioniert werden. Nur noch Mannschaften mit NLZ sollen Junioren Bundesliga spielen dürften, einen Abstieg wird es wohl nicht mehr geben. Man erhofft sich dadurch weniger Ergebnisfußball, sondern mehr Entwicklung der einzelnen Spieler.


    Halte ich jedoch auch für fragwürdig an der Stelle. Woher willst du als A-Junior überhaupt Druck kennen? Plötzlich stehst du dann aber in der Bundesliga und scheißt dir in die Hose...

  • Es ist natürlich ein sehr heikles Kapitel. Zum einen dauert es meistens Jahre, bis sich ein erfplgreiches Konzept in Europa über die NM bis in die Vereine und dann in die Jugendarbeit durchgesetzt hat. Ein Lahn hatte seine Hochzeit wann und dann überlege mal, wann der Jugendspieler war, Heute sind die Anforderungen an die AV aber andere. Heute will man den defensiv- und offensivstarken und schnellen AV a la Davies.

    Und seit wann gibt es das ganze Gedöns mit falscher Neun und ähnlichem. Die Lewandowskis wachsen eben nicht auf den Bäumen. Aiuch so ein Haaland ist ja eher eine Ausnahme. Die Topmittelstürmer Europas - ein Sanches, ein Benzema, ein Giroud, ein Aubamejang, alle über 30! Es wurden ja überall die Allroundstürmer, die falschen Neuner und ähnliches gesucht und natürlich auch ausgebildet.

    Und wenn man sich heute über die IV unterhält, und da braucht man gar nicht so weit gehen - ja, Zweikampfverhalten ist schon nicht unwichtig aber!!!!!! die Spieleröffnung.

    Wenn man sich doch nur unsere Mannschaft ansieht. Im Läderspiel Frankreich - Portugal nimmt ein Hernandez einen Ronaldo praktisch 90 min "aus dem Spiel. Muß man erst mal schaffen - ja aber in der Spieleröffnung.....!

    Und da hast du das heutige Problem - der Spieler soll auf seiner Position eigentlich alles können. Defensive, Zweikampfhärte - oder Neudeutsch Pressingresistenz, Torgefahr, 1gegen 1 - Stärke, Spielaufbau.

    Und diese Talente, sind eben dünn gesäät. und das größte Problem, die sollen das aber alles schon mit spätestens 18 perfekt beherrschen.

    Bleiben wir beim FCB, wo Spieler wie Hummels, Lahm, Alaba oder Müller mit 20 in der Regionalliga kicken "durften", wo ein Lahm beim Probetraining bei Arminia Bielefeld als zu klein abgelehnt wurde.

    Heute hat ein 18jähriger Zirkzee einen Lewandowski gefälligst zu 100% zu ersetzen, wenn er rein kommt. Mit 18 spielte Lewa in der 2. polnischen Liga.

    Da fallen dann eben die Davies und Sanchos dieser Welt auf, aber das sind eben die Ausnahmen.

    Was hat ein Boateng zu Hertha- und HSV-Zeiten für eine Grütze zusammengespielt. Heute kommst du mit so etwas nicht einmal mehr auf die Bank geschweige denn zum Einsatz. Und da liegt das Hauptproblem - Übertrieben gesagt:der Herr Jugendspieler hat gefälligst mit 16 mit seiner Entwicklung fertig zu sein, mit 18 in der 1.Liga Stammspieler zu sein, sonst wird er gleich verliehen oder verkauft.

    Wo die Sonne der Erkenntnis tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.

  • Um evtl Missverständnisse auszuräumen:

    Ich bin schon dafür, dass ausländische Spieler in den Campus kommen sollten, um, wie schon erwähnt das Niveau anzuheben, sodass sich die deutschen (gerne auch bayerischen) Spieler schon ordentlich strecken müssen, um in ihrer Laufbahn vorwärts zu kommen.

    Sollten dann eben "nur"die Alabas und Zirkzees den Sprung zu den Profis schaffen:

    Herzlich willkommen und Pech für die einheimischen Spieler!

    Also zusammengefasst: Sowohl zu wenig (Niveau) als auch zu viel ausländische Jugendspieler (schlechtes Zeichen für den D Nachwuchs) können sich schlecht auswirken.

    Daraus ist auch zu ersehen:

    JA, ich stehe grundsätzlich zu unserer NM!

    Es war bis jetzt immer ein Ereignis, bei der WM (oder EM) mitzufiebern (WM 82/86/90/02/06/10/14) oder sich mit Bier und Asbach das Turnier schön zu trinken (WM 94/98/18).

    Im letzteren Fall war das schönste, sich morgens an nix mehr zu erinnern.

    Auch hier zu sehen: Mit den Freundschaftsspielen inklusive Kohle-Optimierungs-League kann ich auch nix anfangen.

    Als Deutscher kann man also sowohl Patriot sein, Bayern Fan UND trotzdem fremden Kulturen und Spielern aufgeschlossen gegenüberstehen!!! ;)

  • Du als Jugendtrainer weißt aber doch auch, dass man sich Spieler nicht schnitzen kann. Erst Recht nicht, umso weiter es nach oben geht.

    Das ist mir durchaus bewußt. Aber wir sollten nicht so tun, als ob deutsche Kinder / Jugendliche völlig untalentiert wären. Das stimmt nämlich nicht. Habe schon genügend Spieler gesehen und teilweise auch trainiert mit richtig Potential, auch im 1 gegen 1 z.B.


    Das natürliche Talent lässt sich nicht trainieren. Man kann vieles mit Fleiß und hartem Training bestimmen und auch erreichen. Aber das in die Wiege gelegte Talent hat man, oder man hat es nicht.

    Ich will ja gar nicht auf das Thema Fleiß abzielen. Fussball besteht nicht nur aus Kampf, Kondition und Co. Auch wenn das leider einige ewig gestrige Trainerkollegen im Jugendbereich noch so sehen. Diese Trainersorte stirbt aber aus und auch die Typen Ramelow etc. Entscheidend ist was du den Jungs mitgibst. Spielerisch, technisch, was läßt man zu, lieber einmal festgedribbelt als gar nicht erst versucht war z.B. mein Motto. Alles das kann man als Trainer beeinflussen. Und das kann ein deutsches Kind genauso lernen wie ein ausländisches Kind. Ein Umdenken in der Trainerausbildung hat da ja auch schon stattgefunden. In meiner Trainerausbildung war zum Beispiel das Thema Dribbling einer der Hauptschwerpunkte.

    Es wäre heute nicht so, wie es ist, wäre es damals nicht gewesen, wie es war.

  • Diese Diskussion um die Ausbildung der Jugendspieler ist doch nicht neu - und es kommt immer von oben nach unten.

    Wie lautete schon vor über 10 Jahren der bekannte Spruch im Training - hör mit der Fummelei auf und spiel vernünftige Pässe.

    Den Gegenspieler freut es, weil es ihm doch das Leben sehr erleichtert.

    Bis er dann in seiner Entwicklung auf die "Sanes, Comans, Sancos oder Mbappes" dieser Welt trifft und sich fürchterlich wundert, wie alt er da plötzlich aussieht.

    Wo die Sonne der Erkenntnis tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.

  • Alles gute Beiträge

    MMn sollte man sich auch mal fragen wie es kommt das seit Jahren mehr oder wenig nonstop sehr gute junge Spieler quasi in allen Mannschaftsteilen in Frankreich hervorkommen.

    Auch In England und Portugal kommen jetzt schon seit Jahren gute Spieler durch.

    Frankreich hatte ja schon einmal so eine Phase die viele Spieler hervorbrachte aber dann einen Hänger spätestens ab 2006. Dann haben nach sie nach 2010 in Fontainebleau alles radikal verändert und haben quasi innerhalb von 4-6 Jahren erstaunliche nachhaltige Ergebnisse.

    Analysiert wurde es ja genug ( Rohr hat es mal sehr gut beschrieben), aber wir ziehen einfach keine Lehren. Es dauert viel zu lange bei uns.

  • Alles gute Beiträge

    MMn sollte man sich auch mal fragen wie es kommt das seit Jahren mehr oder wenig nonstop sehr gute junge Spieler quasi in allen Mannschaftsteilen in Frankreich hervorkommen.

    Auch In England und Portugal kommen jetzt schon seit Jahren gute Spieler durch.

    Frankreich hatte ja schon einmal so eine Phase die viele Spieler hervorbrachte aber dann einen Hänger spätestens ab 2006. Dann haben nach sie nach 2010 in Fontainebleau alles radikal verändert und haben quasi innerhalb von 4-6 Jahren erstaunliche nachhaltige Ergebnisse.

    Analysiert wurde es ja genug ( Rohr hat es mal sehr gut beschrieben), aber wir ziehen einfach keine Lehren. Es dauert viel zu lange bei uns.

    Müsstest du dir eigentlich selbst beantworten können - zähle mal den Verliehenen mit wieviele relativ junge französische Spieler spielen beim FCB?

    Coman, Hernandez, Tolisso, Pavard, Nianzou, Cuisance + Sarr sind das schon mal 7 Plätze im Kader, die nicht von deutschen Spielern besetzt werden.

    Und der FCB ist ja nicht der einzige Verein, der sich dort bedient. ob Zagadou, ob Plea und wie sie alle heißen. Günstig eingekauft und damit auf Kaderplätzen, die eben für andere fehlen. Gilt nicht nur für Frankreich und andere Länder - gilt auch für viele der europäischen Ligen.

    Paradebeispiel Wolverhampton mit 10!!!! Portugiesen:

    Wo die Sonne der Erkenntnis tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.