UEFA Champions League - Allgemeiner Thread

  • Ein wenig erschreckend, dass trotz des erklärenden Beitrags von eddiedean manch einer hier weiterhin der Welt erklären möchte, dass das doch alles nicht so schlimm sei. DAS ist übrigens eines der Hauptprobleme in dieser Debatte.

  • Mal ganz unabhängig davon, was gestern in Paris vorgefallen ist und wer wie was verstanden und gesagt hat, ist das Wort schwarz ja wohl nicht immer gleich rassistisch zu verstehen.

    Schließlich wird das Wort ja auch bewusst verwendet: "Black lives matter".

  • Ja, ein kaum diskutierbares Thema, weil eben viel zu viele Ebenen vermischt werden. Bei der Aktion gestern fühlen sich Personen persönlich gekränkt, es kann sich auch einfach um ein Missverständnis handeln. Wäre der 4. Offizielle kein Rumäne gewesen, sondern irgendein nicht rumänisch sprechender Mensch, der aber das gleiche in einer anderen Sprache gesagt hätte, wäre vermutlich gar nichts passiert. Es geht eben um das Wort "negru". Blöd gelaufen.


    Auf der anderen Seite, abseits der Persönlichkeiten, haben wir auf der einen Seite Mitarbeiter eines Erdogan- Vereins und auf der anderen Seite Mitarbeiter, die stolz den Staat Qatar repräsentieren. In dem Zusammenhang wirkt der Spielabbruch angesichts, des Wortes "schwarz" einfach überzogen und typisch an den echten Ungerechtigkeiten vorbei, zumal alle dort anwesenden Personen gesellschaftlich vermutlich einigermaßen privilegiert sein dürften.

    Erdogan spielt hier mal überhaupt keine Rolle. und sollen sich Privilegierte alles gefallen lassen weil sie fürstlich entlohnt werden?

    klar kann es auch ein Missverständnis gewesen sein aber was ändert das an der subjektiv empfundenen Kränkung? NIX

    Rassismus ist nun mal primär eine persönliche, subjektive Sache eines einzelnen.

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  • Ein wenig erschreckend, dass trotz des erklärenden Beitrags von eddiedean manch einer hier weiterhin der Welt erklären möchte, dass das doch alles nicht so schlimm sei. DAS ist übrigens eines der Hauptprobleme in dieser Debatte.

    Das, und der erhobene Zeigefinger von Leuten mit angeblicher Deutungshoheit.

  • Das, und der erhobene Zeigefinger von Leuten mit angeblicher Deutungshoheit.

    Ich habe hier ebenso wenig eine Deutungshoheit wie du, eddiedean oder jeder andere nicht Betroffene. Deutungshoheit haben Demba Ba und Pierro Webo. Aber das scheint immer noch nicht angekommen zu sein.

  • Mal ganz unabhängig davon, was gestern in Paris vorgefallen ist und wer wie was verstanden und gesagt hat, ist das Wort schwarz ja wohl nicht immer gleich rassistisch zu verstehen.

    Schließlich wird das Wort ja auch bewusst verwendet: "Black lives matter".

    Das ist richtig, allerdings "context matters".

    Und in diesem Kontext ist es halt so, dass der Schiri mit weißer Hautfarbe den anderen Menschen als "der Schwarze da" bezeichnet hat.

    Umgekehrt würde der Weiße niemals auf die Idee kommen zu sagen : "der Weiße da!" selbst wenn da um ihn herum nur Schwarze auf der Bank gesessen hätten.

    Und deshalb empfinden fast sämtliche betroffene Schwarze (zumindest mal die Basaksehir und PSG-Spieler) dies als rassistisch.

  • Kleine Anekdote:


    Als meine Kleine auf die weiterführende Schule wechselte, fand sie schnell eine neue Freundin, die sie auch gleich mit nach Hause brachte. Sie ist als einziges Kind der Klasse schwarz.


    Auf dem ersten Elternabend saß dort auch eine schwarze Frau. Ich setze mich neben sie, stellte mich vor und fragte sie, ob sie die Mutter v. A. sei. War sie. Natürlich. Gleichwohl war meine +1 entsetzt, meinte, das könne ich nicht machen. Es sei rassistisch. Ich selbst hätte es eher als rassistisch empfunden, sie nicht anzusprechen. Kann man eben so oder so sehen.

    "Jeder I.diot kann einen Krieg beginnen, aber es braucht 100 Genies, um ihn zu beenden."

  • Kleine Anekdote:


    Als meine Kleine auf die weiterführende Schule wechselte, fand sie schnell eine neue Freundin, die sie auch gleich mit nach Hause brachte. Sie ist als einziges Kind der Klasse schwarz.


    Auf dem ersten Elternabend saß dort auch eine schwarze Frau. Ich setze mich neben sie, stellte mich vor und fragte sie, ob sie die Mutter v. A. sei. War sie. Natürlich. Gleichwohl war meine +1 entsetzt, meinte, das könne ich nicht machen. Es sei rassistisch. Ich selbst hätte es eher als rassistisch empfunden, sie nicht anzusprechen. Kann man eben so oder so sehen.

    Wenn man das ganze so übersensibilisiert wird es aber auch nie besser. Heutzutage muss man ja schon bei dingen aufpassen, bei der nicht mal die betroffenen Menschen auf die idee kommen würden, dass die aussage rassistisch sein könnte.

  • Das Problem ist nicht, dass sich Ba und Webo dadurch angegriffen fühlen.

    Das können sie gerne. Und sollen das bitte auch - danach oder sofort - ansprechen. Dann hätte sich der 4. Offizielle erklärt, entschuldigt und vielleicht auch daraus sogar gelernt. Und wäre dadurch vielleicht auch beispielhaft für viele andere.


    Durch diese völlig überzogene Reaktion, die massive Konsequenzen und sehr wahrscheinlich mindestens einen heftigen Karriereknick, wenn nicht gar das Karriereende zur Folge hat, erreicht man das exakte Gegenteil.

    Wäre ich der 4. Offizielle, nach der Nummer wäre ich Rassist. Und würde einige aus meinem Umfeld mitziehen.

    Give a man fire, he‘ll be warm for a day.

    Set a man on fire, he‘ll be warm for the rest of his life. - Rincewind

  • Das Problem ist nicht, dass sich Ba und Webo dadurch angegriffen fühlen.

    Das können sie gerne. Und sollen das bitte auch - danach oder sofort - ansprechen. Dann hätte sich der 4. Offizielle erklärt, entschuldigt und vielleicht auch daraus sogar gelernt. Und wäre dadurch vielleicht auch beispielhaft für viele andere.


    Durch diese völlig überzogene Reaktion, die massive Konsequenzen und sehr wahrscheinlich mindestens einen heftigen Karriereknick, wenn nicht gar das Karriereende zur Folge hat, erreicht man das exakte Gegenteil.

    Wäre ich der 4. Offizielle, nach der Nummer wäre ich Rassist. Und würde einige aus meinem Umfeld mitziehen.

    Auf den Punkt gebracht! Es geht in dieser völlig überdrehten Rassismusdebatte nämlich gar nicht um Klarstellung oder Diskurs, sondern eben doch um Deutungshoheit und Ächtung bei Erstverdacht.

    Ein falsches Wort und man ist Rassist. Punkt. Spielabbruch.


    Im Gegensatz dazu wurden schon Spiele zu Ende gespielt, in denen Spieler von Fans mit Affenlauten beleidigt wurden oder in denen Spieler offen den Hitlergruß skandierten. Wo ist das Maß?

  • Das ist richtig, allerdings "context matters".

    Und in diesem Kontext ist es halt so, dass der Schiri mit weißer Hautfarbe den anderen Menschen als "der Schwarze da" bezeichnet hat.

    Umgekehrt würde der Weiße niemals auf die Idee kommen zu sagen : "der Weiße da!" selbst wenn da um ihn herum nur Schwarze auf der Bank gesessen hätten.

    Und deshalb empfinden fast sämtliche betroffene Schwarze (zumindest mal die Basaksehir und PSG-Spieler) dies als rassistisch.

    Natürlich würde er genau das sagen.

    Denn so beschreibt man nunmal Personen in einer Menge, mit Merkmalen, die sie von denen drumherum unterscheiden.

    Wenn einer in einer Gruppe Sportler dick ist und du willst jemanden auf ihn hinweisen, dann fängst du auch nicht mit allen anderen Körpermeekmalen an.

    Sondern sagst: Der Dicke.

    Give a man fire, he‘ll be warm for a day.

    Set a man on fire, he‘ll be warm for the rest of his life. - Rincewind

  • Umgekehrt würde der Weiße niemals auf die Idee kommen zu sagen : "der Weiße da!" selbst wenn da um ihn herum nur Schwarze auf der Bank gesessen hätten.

    "Der Weiße" würde vielleicht nicht auf die Idee kommen. "Der Schwarze" aber vielleicht schon, wenn ich als Funktionär oder Spieler in einer Auswahl von Kamerun tätig wäre und jemand auf mich hinweisen möchte...

  • "Der Weiße" würde vielleicht nicht auf die Idee kommen. "Der Schwarze" aber vielleicht schon, wenn ich als Funktionär oder Spieler in einer Auswahl von Kamerun tätig wäre und jemand auf mich hinweisen möchte...

    Und genau das ist Rassismus. Nur wäre dann umgekehrt der Schwarze Rassist.

    Ich war mal in Südafrika in einer Situation mit mehreren Schwarzen, die damals mit mir über die Fußball-WM diskutiert haben und mich immer als "the white guy" bezeichnet haben.

    Und ich fand das megasch.eisse so in der Diskussion anhand meiner Hautfarbe unterschieden zu werden. "Warum fragt mich von denen keiner nach meinem Namen ?" dachte ich mir.

    Ich war nur für 2-3 Stunden in dieser Situation.

    Demba Ba oder Pierre Webo sind das ihr Leben lang und diesem latenten Rassismus ständig ausgesetzt.

  • was die meisten wohl nicht kapieren... man muss kein Rassist sein um sich rassistisch zu äußern.

    wer sich aber dadurch in die Ecke der Rassisten gedrängt fühlt, ist vielleicht auch einer, nur hat er sie es bisher nicht bemerkt.

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  • Das Problem ist nicht, dass sich Ba und Webo dadurch angegriffen fühlen.

    Das können sie gerne. Und sollen das bitte auch - danach oder sofort - ansprechen. Dann hätte sich der 4. Offizielle erklärt, entschuldigt und vielleicht auch daraus sogar gelernt. Und wäre dadurch vielleicht auch beispielhaft für viele andere.


    Durch diese völlig überzogene Reaktion, die massive Konsequenzen und sehr wahrscheinlich mindestens einen heftigen Karriereknick, wenn nicht gar das Karriereende zur Folge hat, erreicht man das exakte Gegenteil.

    Wäre ich der 4. Offizielle, nach der Nummer wäre ich Rassist. Und würde einige aus meinem Umfeld mitziehen.

    die Reaktion ist vielleicht sogar genau angemessen. ja irgendwann muss es auch Konsequenzen geben. Klar wäre es den meisten lieber das als Lappalie abzutun und unter den Teppich zu kehren.

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  • Und genau das ist Rassismus. Nur wäre dann umgekehrt der Schwarze Rassist.

    Ich war mal in Südafrika in einer Situation mit mehreren Schwarzen, die damals mit mir über die Fußball-WM diskutiert haben und mich immer als "the white guy" bezeichnet haben.

    Und ich fand das megasch.eisse so in der Diskussion anhand meiner Hautfarbe unterschieden zu werden. "Warum fragt mich von denen keiner nach meinem Namen ?" dachte ich mir.

    Ich war nur für 2-3 Stunden in dieser Situation.

    Demba Ba oder Pierre Webo sind das ihr Leben lang und diesem latenten Rassismus ständig ausgesetzt.

    Verstehe das Argument. Und verstehe auch, dass man sich rassistisch diffamiert fühlt. Die "Handhabung" ist wohl aber ziemlich menschlich und es sei trotzdem die Frage erlaubt, ob es dann beispielsweise auch rassistisch ist, jemanden als "der Dicke", "der Kleine", "der Blonde" zu bezeichnen. All diese Bezeichnungen richten sich nach Äußerlichkeiten, unter denen der Betroffenen mitunter schon sein Leben lang mehr oder weniger "leidet". Deshalb würde aber nie und nimmer ein Spiel abgebrochen werden.

  • was die meisten wohl nicht kapieren... man muss kein Rassist sein um sich rassistisch zu äußern.

    wer sich aber dadurch in die Ecke der Rassisten gedrängt fühlt, ist vielleicht auch einer, nur hat er sie es bisher nicht bemerkt.

    Ich denke eher, dass viele mit Rassismus absolut nichts zu tun haben wollen, dass aber gesellschaftlich die Hürde zum "Rassist sein" immer weiter heruntergesetzt wird.

    Das führt zum einen dazu, dass das Wort "Rassismus" inflationär gebraucht wird und damit mehr und mehr an Brisanz verliert. Irgendwann pfeifen Leute drauf als "Rassist" betitelt zu werden, weil damit um sich geschmissen wird, als wäre es trocken Brot.

    Das wiederum spielt echten Rassisten voll in die Karten. Gefährlich das.