Corona - Allgemeiner Thread

  • Einen grossen Vorwurf mach ich den westlichen Staaten jedoch: Wieso hat man nicht schon seit Jahren enger mit den asiatischen Staaten zusammengearbeitet, welche Erfahrungen mit Sars gesammelt hatten? Dass irgendwann auch uns wieder eine Epidemie erreichen würde, war ja klar. Wenn man etwa sieht, wie gut Taiwan die Krise gemeistert hat. Da hätten wir so viel lernen können und in der jetzigen Krise wohl Milliardenverluste und Tausende von Toten verhindern können. Diese Arroganz oder Blindheit werde ich nie nachvollziehen können.


    Sagt sich so leicht. Aber wer hätte sich Anfang des Jahres vorstellen können, dass wir alle mit Masken rumlaufen würden? Dazu bedurfte es wohl tatsächlich der Bilder aus Italien.

    "Jeder I.diot kann einen Krieg beginnen, aber es braucht 100 Genies, um ihn zu beenden."

  • In einer so globalisierten Welt sollte es doch selbstverständlich sein, dass auch bei Angelegenheiten wie Pandemien zusammengearbeitet wird und man aus Fehlern/Tragödien anderer lernt. Ich will gar nicht sagen, ich persönlich hätte das kommen sehen oder gewusst. Aber bei Gesundheitsministern und Epidemologen etc. würde ich mir schon wünschen, dass die ungefähr wissen, wie in anderen Ländern mit Epidemien umgegangen wird.


    Zumal ja nach Sars, Mers oder der Schweinegrippe für Experten durchaus damit zu rechnen war, dass dereinst wieder eine Pandemie umgehen könnte.

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  • Schade, dass man hier auch heute wieder den Quatsch vom angeblich besseren Gesundheitswesen bei uns lesen musste.


    Klar hätte man den Menschen in Norditalien ähnliche viele Intensivbetten gewünscht, wie wir sie auch vor Corona schon hier in Deutschland hatten. Nur hat das null Komma gar nichts mit der Verbreitung zu tun.


    Was auch immer uns vor Zuständen wie in Bergamo und Co. bewahrt hat - das jedenfalls nicht.

    Oh man

    Pura Vida

  • Der Lakmustest für die 2. Welle wurde nun ja mehrfach gerissen. Es gab starke lokale Ausbrüche und wir haben aktuell Zahlen im Bereich von 200 / Tag bundesweit. OK, das neue Idealbild ist jetzt zweistellig, was auch bald erreicht wird. Aber dass man weiß wie man eine größere Ausbreitung (vulgus Flächenbrand/2. Welle) vermeiden kann, hat man bewiesen. Weiter achtsam bleiben und schnell reagieren wird wohl notwendig bleiben, aber eine 2. Welle ist bei uns derzeit nicht vorstellbar.

  • OK, das neue Idealbild ist jetzt zweistellig, was auch bald erreicht wird.


    Kann mir jemand erklären, wie wir eine zweistellige Zahl bei den täglich Neuinfizierten jemals erreichen sollen, wenn der beste Test auf dem Markt auf für akute Infektionen eine Spezifität von 99,8% aufweist (bedeutet: 0,2 % aller Getesteten sind falsch positiv)


    Derzeit sind es, soweit ich das verstanden habe, rund 150.000 Tests pro Tag in D, Tendenz steigend.


    0,2% von 150.000 sind 300 (!)


    Kann mir hier bitte jemand sagen, dass ich einen Denfehler eingebaut habe.


    Ansonsten wurden wir von Altmaier doch verarscht mit der Aussage, dass wir über ein Ende der Maskenpflicht nachdenken könnten, wenn wir im zweistelligen Bereich angelangt wären.


    Und die Maskenpflicht wird damit niemals enden, solange wir in diesem Umfang testen, selbst wenn es keinen einzigen echten Fall mehr geben sollte...

    "Es zählt das, was bayernimherz sagt." (steveaustin10)

  • Naja, wir hatten ja jetzt schon Tage mit unter 300, scheint also zu gehen (ok, das waren Tage an denen nicht alle Gesundheitsämter gemeldet haben, aber das weiß das RKI ja nicht). Ich denke dass die Fehlerquote in beide Richtungen geht, also auch fehlerhaft positiv getestet. Wenn sich das ausgleicht, sollte es keinen EInfluss haben. Weiß aber nicht ob das so stimmt.

  • Wird dann nicht genauso viel fälschlicherweise negativ getestet?

  • Ich denke dass die Fehlerquote in beide Richtungen geht, also auch fehlerhaft positiv getestet. Wenn sich das ausgleicht, sollte es keinen EInfluss haben. Weiß aber nicht ob das so stimmt.


    Das Problem ist doch:


    Da ja an den Tests logischerweise deutlich weniger Infizierte als Nichtinfizierte teilnehmen, fallen die falsch positiven Tests deutlich heftiger ins Gewicht:


    Angenommen unter 100.000 Getesteten wären 10% Infizierte, also 1000.


    Der Test hätte eine Sensitivität von 99,8% (Wahrscheinlichkeit, mit der ein Infizierter auch als solcher erkannt wird) und eine Spezifität von ebenfalls 99,8% (Wahrscheinlichkeit mit der ein Nichtinfizierter auch als solcher erkannt wird).


    99.000 Nichtinfizierte x 0,002 = 198 Falschpositive


    1000 Infizierte x 0,002 = 2 Falschnegative.


    Wie soll sich das denn bitte ausgleichen?

    "Es zählt das, was bayernimherz sagt." (steveaustin10)

  • Dass wir im zweistelligen Bereich niemals ankommen werden sieht man doch schon daran, dass die Neuinfektionszahlen seit knapp zwei Monaten auf dem aktuellen Niveau stagnieren, d.h. da ist jegliche Dynamik raus. Abwarten führt also zu nichts. Das wäre wohl nur dann zu erreichen, wenn man die Leute alle einsperrt.


    Mal abgesehen davon, dass es völlig absurd ist das Ziel zu formulieren, dass in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern maximal 100 am Tag krank werden dürfen. Man muss sich mal die Dimensionen vor Augen halten, um die es da geht. Da stellt man dann übrigens auch schnell fest, dass es völlig egal ist, ob man 90 oder 300 Neuinfektionen hat; beide Werte sind vollkommen irrelevant.


    Es ist offensichtlich, dass die Entscheidungsträger schon seit Wochen nicht mehr wissen wie es eigentlich weitergehen soll und Schiss davor haben eine Eintscheidung zu treffen. Dann kommt eben so ein Blödsinn dabei raus.

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  • Einen grossen Vorwurf mach ich den westlichen Staaten jedoch: Wieso hat man nicht schon seit Jahren enger mit den asiatischen Staaten zusammengearbeitet, welche Erfahrungen mit Sars gesammelt hatten? Dass irgendwann auch uns wieder eine Epidemie erreichen würde, war ja klar. Wenn man etwa sieht, wie gut Taiwan die Krise gemeistert hat. Da hätten wir so viel lernen können und in der jetzigen Krise wohl Milliardenverluste und Tausende von Toten verhindern können. Diese Arroganz oder Blindheit werde ich nie nachvollziehen können.

    Sicherlich wird es Aspekte aus Ostasien geben, die hiesige Regierungen auch hätten implementieren können.


    Allerdings fußt die dortige Strategie auf zwei Dingen, die zumindest auf Deutschland nunmal nicht zutreffen: erstens ist das Leben dort praktisch komplett durchdigitalisiert, zweitens sind die Bürger relativ schmerzfrei, was die Nutzung ihrer (persönlichen) Daten angeht.


    Taiwanesische und singapurianische Maßnahmen wären hier völlig unvorstellbar.

    "Es gibt zuviel' Leute, die sagen zu wenig; die reden einfach zuviel."

    Klaus Lage

  • Dass wir im zweistelligen Bereich niemals ankommen werden sieht man doch schon daran, dass die Neuinfektionszahlen seit knapp zwei Monaten auf dem aktuellen Niveau stagnieren, d.h. da ist jegliche Dynamik raus. Abwarten führt also zu nichts. Das wäre wohl nur dann zu erreichen, wenn man die Leute alle einsperrt.


    Mal abgesehen davon, dass es völlig absurd ist das Ziel zu formulieren, dass in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern maximal 100 am Tag krank werden dürfen. Man muss sich mal die Dimensionen vor Augen halten, um die es da geht. Da stellt man dann übrigens auch schnell fest, dass es völlig egal ist, ob man 90 oder 300 Neuinfektionen hat; beide Werte sind vollkommen irrelevant.


    Es ist offensichtlich, dass die Entscheidungsträger schon seit Wochen nicht mehr wissen wie es eigentlich weitergehen soll und Schiss davor haben eine Eintscheidung zu treffen. Dann kommt eben so ein Blödsinn dabei raus.

    Da kommt noch was dazu: in der Kommunikation stehen noch immer die Neuinfektionen absolut im Vordergrund. Die eigentlich viel wichtigeren Zahlen, nämlich, wie viele Menschen krank sind UND intensivmedizinisch behandelt werden, musst du selbst suchen. Und wirst dann auch nicht für jeden Landkreis fündig.

    Das ist das große Problem an der Richtung, in die wir seit Wochen gehen. Jede einzelne Infektion zählt. Das eigentliche, große Ziel, das mit #flattenthecurve gar einen viralen Hashtag hatte und Auslöser für ALLE Maßnahmen war, taucht überhaupt nicht mehr auf.

    Ich verstehe, dass sich in einer Pandemie über Jahre oder Monate hinweg Ziele verändern können und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu anderen Maßnahmen führen, in beide Richtungen bestenfalls.


    Ich verstehe nicht, dass man so etwas nicht erklärt. Warum verändern sich Ziele? Warum verkraftet unser Gesundheitssystem vor Monaten 1500 Neuinfektionen, jetzt aber keine dreistellige Zahl?

  • mexicola_gb


    Das wird sicher stimmen, aber zumindest die Maskenpflicht und das elektronische Tracing haben wir in Mitteleuropa jetzt auch. Bereits damit wäre doch schon sehr viel geholfen gewesen, hätten wir dies im März gehabt.

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  • Ich verstehe nicht, dass man so etwas nicht erklärt. Warum verändern sich Ziele? Warum verkraftet unser Gesundheitssystem vor Monaten 1500 Neuinfektionen, jetzt aber keine dreistellige Zahl?

    Weil man es vermutlich nicht erklären kann, bzw. es keine Erklärung gibt.


    Das einzig sinnvolle in der aktuellen Situation mit derart geringen Neuinfektionszahlen wäre m.E., dass man die Dampfhammermethode beendet und grundsätzlich alles freigibt, und stattdessen die Infizierten im Auge behält. Also: Infektionsketten nachverfolgen und die betroffenen Leute in häusliche Quarantäne stecken, ebenso alle Leute, die aus Risikogebieten im Ausland einreisen.


    Sollte mit unserem gigantischen Bürokratieapparat schon machbar sein; wir sprechen ja hier von vielleicht ein paar tausend Fällen täglich deutschlandweit. Ich habe aber eine Vermutung, warum man das nicht macht: Die Angst, sich damit schrecklich zu blamieren. Dann liegt die Verantwortung nämlich bei den Behörden und es ist absehbar, dass es dann zu der einen oder anderen oberpeinlichen Schildbürger-Absurdität kommen wird. Die Dampfhammermethode dagegen ist politisch unschädlich, und man kann problemlos auf Leuten wie Tönnies rumhacken und denen die Schuld in die Schuhe schieben.

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  • Allerdings fußt die dortige Strategie auf zwei Dingen, die zumindest auf Deutschland nunmal nicht zutreffen: erstens ist das Leben dort praktisch komplett durchdigitalisiert, zweitens sind die Bürger relativ schmerzfrei, was die Nutzung ihrer (persönlichen) Daten angeht

    Eben, das ist das, was ich oben ansprach! Bei uns war es ja lange selbst undenkbar, dass flächendeckend Masken getragen werden.


    Digitalisierung und Datenschutz sind weitere Stichwörter. Aber damit ist das Gesamtpaket bestimmter asiatischer Ländern, die optimal reagiert haben, ja noch nicht mal vollständig beschrieben.


    Das wird sicher stimmen, aber zumindest die Maskenpflicht und das elektronische Tracing haben wir in Mitteleuropa jetzt auch. Bereits damit wäre doch schon sehr viel geholfen gewesen, hätten wir dies im März gehabt.


    Beides aber ohne die Bilder aus Bergamo und Co. gar nicht umsetzbar.

    "Jeder I.diot kann einen Krieg beginnen, aber es braucht 100 Genies, um ihn zu beenden."

  • Traurige Geschichte.


    Dann hätte es vergleichsweise vermutlich eher den Typen treffen sollen, der neulich im Rahmen seines Junggesellenabschieds von einer jungen Kreuzotter in die Zunge gebissen wurde, als er den vermeintlichen Wurm essen, küssen oder sonstwas wollte...

    "Jeder I.diot kann einen Krieg beginnen, aber es braucht 100 Genies, um ihn zu beenden."

  • Traurige Geschichte.


    Dann hätte es vergleichsweise vermutlich eher den Typen treffen sollen, der neulich im Rahmen seines Junggesellenabschieds von einer jungen Kreuzotter in die Zunge gebissen wurde, als er den vermeintlichen Wurm essen, küssen oder sonstwas wollte...

    Da muss man ja ordentlich getankt haben, wenn man Wurm und Kreuzotter verwechselt...

  • Da muss man ja ordentlich getankt haben, wenn man Wurm und Kreuzotter verwechselt...


    Soll bei solchen Veranstaltungen ja vorkommen... :)


    Ne, keine Ahnung, wie sehr sich kleine Schlangen und große Würmer ähneln. Jedenfalls ein Anwärter auf den Darwin Award.

    "Jeder I.diot kann einen Krieg beginnen, aber es braucht 100 Genies, um ihn zu beenden."