Posts by eddie1519

    Stimmt. Wobei er verständlicherweise auch ein wenig klarmachen wollte, dass da jetzt nicht ein völlig anderer Mensch kommt, der nur Frühstücksdirektor ist.

    Ja, das mag sein. Solange er sich von Illner, Will und allen anderen Formaten dieser Machart fernhält, ist schon viel gewonnen.

    Wenn die Nummer mit Ancelotti wirklich in die Binsen geht, wird uns meiner Meinung nach nichts anderes übrig bleiben, als mit einem jungen Trainer wie Nagelsmann voll ins Risiko zu gehen. Trainer der Marke Hecking sind hier zum Glück niemandem mehr zu vermitteln. Tuchel hat zwar Ahnung, aber ich komme immer mehr zu der Meinung, dass der ganz schwer einen an der Klatsche hat und perfekt nach Dortmund passt. Ob man aber wirklich den Mut aufbringt, diesen Weg zu gehen, steht auf einem anderen Blatt.

    Was das Spiel ingesamt betrifft, gebe ich Dir Recht. Allerdings hat uns nicht Dortmund runtergezogen. Wir SIND spielerisch soweit unten - und dafür sind andere verantwortlich.

    Das kann man durchaus so sehen. Zumal wir vor nicht allzu langer Zeit immer Plan B und C in der Tasche hatten, heute suchen wir auf dem Platz nach Version A.

    In der zweiten Halbzeit war das schlicht und einfach ein erbärmlich schlechtes Fußballspiel. Daran sollten sich die deutschen Medien bitte erinnern, wenn sie in der Rückrunde wieder ohne Sinn und Verstand für das vermeintliche Gigantenduell am internationalen Fußballhimmel trommeln.


    Die Dortmunder haben uns erfolgreich auf ihr Niveau heruntergezogen und wir sind mit Ansage darauf reingefallen.

    Ich habe gestern eine Veranstaltung über die US-Wahl mit Klaus Scharioth besucht. Er lehrt als Professor of Practice an der Fletcher School of Law and Diplomacy in Medford, Massachusetts und war von 2006 bis 2011 deutscher Botschafter in den USA.
    Ich fasse seine zentralen Thesen aus 120 Minuten Rede und Diskussion ohne Wertung kurz aus dem Gedächtnis zusammen, da vielleicht für den ein oder anderen ganz interessante Denkanstöße enthalten sind:


    Warum hat Trump gewonnen?
    Die Wahl haben nicht die vermeintlich Abgehängten entschieden, sondern die Leute, die Angst davor haben, zukünftig abgehängt zu werden und ihren sozialen Status zu verlieren. Der amerikanische Traum funktioniert nicht mehr. Wer sich anstrengt, eine gute Ausbildung absolviert und hart arbeitet, steigt nicht mehr automatisch auf. Dies ist das prägende Gefühl der amerikanischen Mittelklasse. Junge Ehepaare mit ein bis zwei Kindern, bei denen jeder Elternteil zwei Jobs hat und die anständig ihre Steuern zahlen, kommen nicht mehr über die Runden. Dies zieht sich durch alle Bildungsschichten und ist der Normalfall geworden. Die Leute sehen sich durch Globalisierung, Freihandel und Digitalisierung überfordert, bedroht und haben Angst um ihre Arbeitsplätze. Trump hat dies erkannt und die Sachpunkte äußerst geschickt für sich besetzt.


    Die Amerikaner haben das ganz starke Empfinden, dass Trump Mut hat. Dies wird von breiten Wählerschichten honoriert. Er wagt Dinge so zu benennen, wie man es sich selbst nicht traut. Okay, er mag übertreiben, nicht alle Muslime sind Terroristen, nicht alle Mexikaner Vergewaltiger, aber irgendwie ist da was dran. So die Wahrnehmung.


    Trump hat für jedes Problem eine Lösung, die in genau einen Satz passt. Wenn China oder die bösen Deutschen schuld daran sind, dass die heimische Wirtschaft nicht rund läuft, vielleicht stimmt es ja. Diese Erklärungen sind so gut, wie jede andere.


    Die Evangelikalen und wiedergeborenen Christen stellen in den USA 23% der Wählerschaft. Diese Gruppe hat sich bis in die 1990er Jahre so gut wie überhaupt nicht für Politik interessiert und ist mehrheitlich nicht zu Wahlen gegangen. Newt Gingrich hat hier vor rund 20 Jahren einen Strategiewechsel eingeleitet und die Gruppe für die Republikaner erschlossen. Die beiden Kernthemen sind ein totales Verbot von Abtreibungen und die strikte Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Ehen.
    Zudem sind diese Leute sexuell äußerst prüde und in Familiendingen sehr wertkonservativ eingestellt. Die Ausfälle von Trump gegen Frauen sind ja hinreichend bekannt, außerdem hat er durch Fremdgehen zwei Ehen bzw. Familien ruiniert und DENNOCH haben 81% der Evangelikalen unabhängig vom Geschlecht für Trump gestimmt. Erklären kann sich dies momentan noch niemand so richtig, vielleicht hat der in den USA zur Glaubensfrage erhobene Abtreibungskonflikt (Trump war früher dafür, heute ist er strikt dagegen) alle anderen Fragen überlagert.


    Der generelle Anteil der Frauen, die Trump gewählt haben, ist überraschend hoch. In Florida waren seine Wähler mehrheitlich weiblich. In Virginia haben genauso viele Frauen mit Collegeabschluss Trump ihre Stimme gegeben, wie Männer mit niedrigen Bildungsgrad. Immerhin knapp mehr als 30% der Latinos haben sich landesweit für Trump entschieden. Ganz junge Wähler sind mehrheitlich der Abstimmung ferngeblieben. Die Gemengelage ist also komplizierter, als man auf den ersten Blick annimmt.


    Was sind die Folgen?
    Die deutsch-amerikanischen Beziehungen werden in schweres Fahrwasser geraten. Trump stellt die Beistandsklausel der NATO offen in Frage und wäre nicht traurig, wenn sich das Bündnis einfach auflöst. Dies berührt die Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik elementar.


    Trump befürwortet die Verbreitung von Atomwaffen. Warum soll Amerika Saudi-Arabien oder Japan militärisch schützen? Diese Länder sollen sich gefälligst selber absichern, am besten atomar. Der Atomwaffensperrvertrag mit dem Iran ist so gut wie erledigt.


    Trump will, dass in den USA im Rahmen der Terrorabwehr wieder gefoltert werden darf. Waterboarding ist ihm dabei noch zu harmlos, der Weg für härtere Methoden soll frei gemacht werden.


    Der Supreme Court besteht aus acht Richtern. Trump darf als eine seiner ersten Amtshandlungen einen Richter nach seinem Gusto für einen verstorbenen Vorgänger ernennen. Damit verbleiben drei Richter, die als liberal gelten. Diese sind zwischen 78 und 81 Jahren alt. Wenn das Schicksal es will, könnte Trump in den kommenden vier Jahren drei weitere oberste Verfassungsrichter mit seinem Weltbild auswählen. Dies hätte für die kommenden Jahrzehnte unabsehbare Folgen für die amerikanische Rechtsprechung und birgt enormen gesellschaftlichen Sprengstoff.


    Die USA sollen nach Trump Willens die Welthandelsorganistaion WTO verlassen. NAFTA soll gekündigt werden. TITIP hat keine Chance mehr, der Protektionismus wird besonders die deutsche Exportwirtschaft treffen, da die USA noch vor Frankreich unser wichtigster Handelspartner sind.


    Trump hat die Lüge in der Politik in ungeahnten Maße salonfähig gemacht. Er sagt etwas und schert sich um den Wahrheitsgehalt einen Dreck. Konfrontiert man ihn damit, antwortet er Dinge wie "Schauen Sie auf die Umfragen! Seitdem ich XYZ behaupte, habe ich zwei Prozentpunkte zugelegt, also habe ich Recht!"


    Trump hat die Häme politisch salonfähig gemacht. Häme gegen Kranke, Häme gegen Behinderte, Häme gegen Soldaten in Kriegsgefangenschaft, Häme gegen abgelegte Exfrauen usw. Er vergiftet das soziale Klima und jedes Bemühen um Konsens. Angesicht seiner ungeheuerlichen Ausfälle sind seine versöhnlichen Worte direkt nach der Wahl ein schlechter Witz. Eine klare Entschuldigung ist überfällig.


    Trump hat die politische Kultur schwer beschädigt. Noch nie in der Geschichte hat ein Präsidentschaftskandidat angekündigt, die Wahl nicht anzuerkennen, wenn sie nicht in seinem Sinne ausgeht. Noch nie hat ein Präsidentschaftskandidat angekündigt, nach seiner Wahl den Gegenkandidaten ins Gefängnis werfen zu lassen ("Lock her up!").


    Gibt es Hoffnung?
    Ja, gibt es. Mit den Amerikanern kann man Klartext reden und muss dies auch jetzt tun.


    Die größte Hoffnung ist die Fähigkeit der Amerikaner zur Selbstkorrektur. Sklaverei, Rassentrennung, der Umgang mit japanischstämmigen Amerikanern während des Zweiten Weltkriegs, Vietnamkrieg, Irakkrieg: Amerika hat viele Fehler begangen, aber immer die Kraft aufgebracht, diese Fehler von sich aus zu korrigieren und sich aus eigener Kraft aus dem Sumpf zu ziehen. Mittelfristig wird es das auch in Bezug auf Trump schaffen, aber der Weg dahin wird hart und steinig.

    Ich lebe übrigens seit über 30 Jahren mit kleinen Unterbrechungen in dieser Region. Und ich habe selbst vor dem Fernseher durchaus mit eingestimmt. Mein Herz ist nämlich in Minga und nicht bei den grattligen Schwaben.
    :)

    Aha. Ich darf also offiziell festhalten, dass der Herr Rookiemoderator ein Einwohner Schwabens ist. Meine Rede seit acht langen Jahren. Danke. Bitte. :P