Posts by denkerundlenker

    So wie bei Lewy, hatte man da einen Plan?

    Ist Lewy Trainer?


    stefan2206


    Du warst nicht gemeint, ging mir nur generell um die Sicht auf diese Saison. Da waren wir hinten löchrig. Und wenn ich einen dichten Spielplan habe, muss ich eben das System umstellen und kann nicht immer so viel Kraft aufwenden, dass das zum Problem wird.

    Der Name Niko Kovac sagt dir was? ;-)

    Naja, im Vorlauf zu Kovac hat man aber Ancelotti entlassen und Heynckes geholt. Dass der gesamte Trainerfindungskurs danach eher planlos war, steht auf einem anderen Blatt. Mir ging es hier eher um die kurzfristige Entscheidung.

    Das ist ja zum Glück nicht unsere Aufgabe. Tuchel wäre naheliegend - andere Lösungen müsste der Vorstand präsentieren. Es ist nämlich auch ziemlich blauäugig, zu glauben, man würde Nagelsmann entlassen, ohne eine Idee zu haben, wie es weitergeht.

    Ich finde die Idee, dass Flick vor der WM entlassen werden könnte, kreativ. Dafür hat der Autor meine Achtung. Darauf kommen nicht viele. Es hat zwar mit seriösem Journalismus und mit der Realität nichts zu tun, aber da hat sich jemand Gedanken gemacht. Die falschen und noch dazu völlig absurde zwar, aber immerhin.

    Falls man Nagelsmann wirklich entlassen sollte, wird man hoffentlich nicht Xabi Alonso holen. Ich verehre ihn als Spieler und als Menschen, aber da muss man doch ein bisschen realistisch bleiben. Bei einer vorzeitigen Trennung brennt hier der Baum und wir brauchen Erfahrung. Die hat Alonso noch nicht. Wenn er seinen Weg geht, kann er hier in 10 Jahren immer noch Trainer werden.

    Tuchel ist ein spezieller Charakter. Deshalb würde der hier meiner Ansicht nach auch keine Ära prägen. Unsere Probleme sind aber aktuell tiefgreifender. Wir müssen nicht in Phasen von fünf oder zehn Jahren denken, sondern wir müssen mal wieder systematisches Fußballspielen lernen. Überspitzt gesagt, bringen wir im letzten Drittel aktuell keinen Ball an den Mann und wissen gar nicht, wie wir die gut aufgereihte Abwehr des Gegners überspielen können. Dafür wäre Tuchel durchaus der passende Trainer. Aber rappeln würde es irgendwann verlässlich auch mit ihm.

    Wahrscheinlich wird das mit der neuen Technik dann am Ende nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.


    Ich denke, es entscheidet sich aber auch sehr zentral über das Standing, das Nagelsmann bei den Spielern hat, wie es weitergeht als Trainer bei uns. Wenn da intern die Spieler nicht bereit sind, seinen Weg mitzugehen, macht es auf Dauer wenig Sinn. Ich könnte mir vorstellen, dass man da auch mal ein Stimmungsbild eingeholt hat oder einholt, wenn wir nicht den Weg in die Erfolgsspur zurück finden. Brazzo hat ja auch recht deutlich gesagt, dass er gegen Leverkusen, Pilsen und Dortmund eine Reaktion erwartet. Was das bedeutet, wenn die ausbleibt, kann sich ja jeder eventuell selber denken.


    Ist das immer gerecht, wenn es am Ende um den Trainer geht? Sicher nicht. Die Spieler stehen auch in der Verantwortung. Aber es trifft letztlich den Trainer als Erstes.

    Findest du das nicht ein wenig widersprüchlich? Auf der einen Seite hoffst du auf sinkende Einschaltquoten, auf der anderen Seite willst du aber nicht derjenige sein, der mit dazu beiträgt, in dem du trotzdem einschaltest.

    Nein, finde ich nicht. Eine WM oder EM läuft bei mir eigentlich immer. Ich kann mich dann auch auf ein Spiel wie Iran - Dänemark freuen und mich dafür samstags um 16:00 Uhr vor den Fernseher setzen, wenn ich Zeit habe. Indem ich das in diesem Jahr nicht tun werde, trage ich für meine Verhältnisse auf jeden Fall dazu bei, dass die Einschaltquoten sinken.

    Schwieriges Thema.


    Ich werde die Deutschland-Spiele gucken und an einem verregneten Abend im Herbst sicher auch mal das ein oder andere Spiel nebenbei laufen lassen. Emotional habe ich mich aber von der Nationalmannschaft seit 2016 ungeahnte Dimensionen entfernt und ich lehen die Vergabe der WM 2022 nach Katar seit 12 Jahren ab. Nichts an der Vorbereitung dieser WM, nichts an den Stadien, nichts am Gastgeberland reizt mich. Die Art und Weise, wie Menschenrechte dort mit Füßen getreten werden, widert mich genau wie (meine ich) die allermeisten anderen Menschen auch an. Es ist ein Skandal, dass eine Fußball-WM dort stattfindet.


    Und dennoch bin und bleibe ich Fan dieses Sports und wünsche unserer Nationalmannschaft den größtmöglichen Erfolg, auch wenn ich Niederlagen eher schulterzuckend hinnehmen würde. Ich kann da nicht anders. Spielt Deutschland bei einem großen Turnier, schalte ich ein. Stehe ich auch zu. Vermutlich wird sich das nicht ändern bei dieser WM.


    Ich finde es sehr einfach, einer Einstellung wie meiner jetzt Scheinheiligkeit und Doppelmoral vorzuwerfen, wie es mir gesamtgesellschaftlich auch in anderen Themen absolut auf den Keks geht, dass Einzelne immer meinen, Moral und Wahrheit für sich zu besitzen, während alle, die an dieser vermeintlichen Wahrheit auch nur ein wenig etwas anders sehen, diffamiert werden dürfen, weil sie vermeintlich unmoralisch handeln. Ich kann zweierlei: Ich kann Deutschland-Spiele bei der WM gucken und die WM an sich trotzdem unattraktiv finden. Ich möchte - wie ich es seit fast 30 Jahren tue - sportliche Leistungen würdigen, ich möchte die Daumen drücken, und ja - ich möchte auch etwas Abstand vom Alltag gewinnen, mich zurücklehnen, mich wenigstens ein bisschen auf Fußball freuen. Fühlt sich das für mich richtig an? Nein, sicher nicht. Weil sich die ganze WM in Katar falsch anfühlt, und zwar seit 12 Jahren. Ich kann weder die Menschenrechtsverletzungen, die beispelsweise in Homophobie und umgekommenen Arbeiten ihren Ausdruck finden, ignorieren, noch die Tatsache, dass die WM im Winter stattfindet und dafür nationale Ligen unterbrochen werden müssen, noch die Tatsache, dass Katar als Gastgeber null mit Fußball zu tun hat. Alles an dieser WM ist falsch.


    Aber es bleibt der Aspekt des Sportlichen. Daran kann ich persönlich nicht vorbei. Ich möchte sehen, wie Deutschland sich schlägt, ich möchte wissen, wie sich unsere Spieler bei Frankreich oder den Niederlanden präsentieren. Legitimiere ich damit Homophobie? Legitimiere ich damit die Vergabe der WM? Möglicherweise wird man mir das vorwerfen. Ich denke, dass das zu einfach ist. Ich hoffe, dass die FIFA in sinkenden Einschaltquoten und einer lächerlichen Stimmung merkt, wie viel sie da kaputt gemacht hat. Und auch da kann ich von mir reden: Ich freue mich immer auf eine EM oder auf eine WM. Mir macht das einfach Spaß, die ganze Dynamik des Fußballs in einem drei- oder vierwöchigen Turnier zu sehen, die besten Spieler des Kontinents oder der Welt in einem komprimierten Format um einen Titel spielen zu sehen. Diese Vorfreude habe ich aktuell überhaupt nicht. Ich kenne die Deutschland-Gruppe, aber ich könnte nichtmal die Reihenfolge der deutschen Spiele sicher sagen. Ich kenne nichtmal sicher das Datum des Eröffnungsspiels - ich weiß noch nichtmal, ob Deutschland in Gruppe C, D oder E ist. Ich habe nur zufällig mitbekommen, dass Argentinien in der Vorrunde gegen Polen spielt.


    Dass ich all diese Dinge, die ich normalerweise selbstverständlich weiß, noch nichtmal nachgucke, noch nichtmal google, noch nichtmal 30 Sekunden Zeit darauf verwende, mir die anderen Gruppen anzugucken, ist meine Form des Boykotts. Es ist meine Form des Boykotts, keinen einzigen Spielort zu kennen, kein einziges Stadion von außen zu kennen - ja, noch nichtmal die Anstoßzeiten sicher nennen zu können. Weil es mich nicht interessiert, weil ich diese WM im Kern ablehne. Weil ich froh bin, wenn der ganze Mist, der uns seit 12 Jahren begleitet, endlich ein Ende hat. Wer Weltmeister wird? Interessiert micht nicht im Geringsten, sobald Deutschland raus ist (was tendenziell eher früher als später geschehen wird).


    Aber darüber hinaus nehme ich mir dennoch das Recht, Deutschland-Spiele zu gucken - und vielleicht auch Polen - Argentinien.


    Nennt mich dafür, wie ihr wollt.