Posts by sbth8115

    Stimmt, finde ich auch. Aber im Mittelfeld braucht er sich dennoch vor kaum jemand zu verstecken. Allerdings würde mir auch besser gefallen, ihm säße der Mittelfeld-Floh nicht so tief im Ohr ...


    Es gibt so viele gute Mittelfeld-Spieler und so wenig gute Außenverteidiger.

    Glaube ich nicht. Eher wird ein Rechtsverteidiger gekauft, der Rafinha auf die Bank verdrängt.
    Und Lahm ist gut genug, um es mit fast jedem im Mittelfeld aufzunehmen. Auch beim FCB.

    Nein. Das ist eine nüchterne Abwägung dessen, was Philipp Lahm gesagt hat. Und weil der sich, zumal in eigener Sache, stets gut überlegt, was er sagt, sollte man jedes Wort ernst nehmen.

    So sehe ich das auch. Philipp Lahm ist keiner, der unbedacht daherredet. Der wägt jedes Wort ab. Und sogar mit Abstand führt Philipp Lahm keine medizinischen oder familiären Gründe für seinen Rücktritt an, sondern strukturelle Nationalmannschaftsaspekte. Das schmückt er zwar mit üblicher Folklore, indem er zehn Jahre gute Arbeit erwähnt, aber im Zentrum stehen andere Aussagen.


    Seine Rolle sei "ausgereizt", sagt Philipp Lahm. Naheliegend wäre, dass er das sportlich meint. Dann kann es nur um die Rolle als Außenverteidiger gehen. Denn seine neue Freude am Mittelfeldspiel meint er ganz gewiss nicht. Diese Rolle ist nicht ausgereizt, sondern er hat im März 2014 gesagt: „Ich fühle mich wohl im Mittelfeld und es macht mir Spaß. Ich war jahrelang Außenverteidiger, irgendwann kennt man jede Situation. Das ist jetzt etwas Neues. Ich kann mir gut vorstellen, noch Monate oder Jahre auf dieser Position zu spielen.“


    Und seine Rolle als Kapitän? Ausgereizt? An welche Grenzen könnte er gestoßen sein? Am wahrscheinlichsten ist, dass beides zusammengehört, weil Philipp Lahm trotz seiner Klasse und Macht als Kapitän und Vertrauter des Trainers nicht verhindern konnte, wieder auf die rechte Seite geschoben zu werden – vielleicht auf Drängen anderer Kräfte in der Nationalelf, außerdem begleitet von einer unangenehmen öffentlichen Debatte seiner Mittelfeld-Leistung.


    Berater Grill hat Anfang März 2014 gesagt, Philipp Lahm sei derzeit mit Sicherheit der beste deutsche Fußballer, auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft und „in seine Rolle als Mannschaftskapitän der Nationalmannschaft und des FC Bayern zu 100 Prozent reingewachsen. Er fühlt sich in dieser Rolle wohl und das sieht man natürlich auch auf dem Platz.“


    Das gute Gefühl scheint während der WM abhandengekommen zu sein.


    „Es geht auch ohne mich.“, sagt Philipp Lahm jetzt. Die Nationalmannschaft brauche ihn nicht mehr. Das kann er beim besten Willen nicht sportlich meinen – es sei denn, er wäre eben grundsätzlich nicht mehr bereit, in der Nationalelf Rechtsverteidiger zu spielen, hätte aber während der WM festgestellt, dass seine Konkurrenz im Mittelfeld so viel stärker eingeschätzt oder ihm aus anderen Gründen vorgezogen wird, dass für ihn im Mittelfeld kein Platz ist.


    Durch seinen Rücktritt will er der Nationalelf „einen Impuls zur Weiterentwicklung“ geben - nun wirklich nicht seine Aufgabe als Spieler. Lahm macht hier aber mit feiner Ironie und einem Knall dem Trainer und möglicherweise auch Teilen der Mannschaft deutlich, wer in Zeiten der Ich-AGs am längeren Hebel sitzt. Wenn nicht nach seinen Vorstellungen, dann eben ohne ihn.


    Ob das aus menschlicher Enttäuschung während der WM entstanden ist, oder ob ihm das Fehlen einer Mittelfeld-Perspektive die Nationalelf verleidet hat – ich nehme an, dass Philipp Lahm nicht zurückgetreten wäre, wenn er den WM-Pokal als Mittelfeld-Chef gewonnen hätte.

    Große Worte! Und umso interessanter, weil du nicht nur über die Probleme bedrohter Profi-Kicker in der heutigen Gesellschaft sprechen, sondern dich auch dafür einsetzen willst, dass Respekt und die Akzeptanz anders Denkender auch mir entgegengebracht werden sollten, nicht wahr? :-)

    :-) Jetzt würde ich ja gerne antworten, aber getreu dem Prinzip, die Mehrheiten vor dem Druck der Minderheiten zu schützen, bin ich gebeten worden, mich nicht mehr zu äußern - und weil ich so vernünftig bin, habe ich zugestimmt. Dabei muss es bleiben.

    Gerne. Nur einen noch, für Katsche und Nordkorea:


    Grundsätzlich bin ich, wenn wir das Ganze politisch betrachten wollen, sowieso der Meinung, dass das Konzept der Nationalstaaten nicht mehr zeitgemäß ist. Und dieser Schland-Kokolores geht mir, ehrlich gesagt, auf den Zeiger - draußen fahren ja immer noch Automobile herum, deren Führer sich für Weltmeister halten und deshalb ihre Außenspiegel nationalfarbig bestrumpfen ...


    Insofern kann mir auch wurscht sein, wenn Philipp Lahms Beispiel Schule macht und die gequälten Spitzenkicker die Berufung in das Auswahlteam des Landes nicht mehr als Ehre und Verplfichtung begreifen, sondern als zwar zunächst geschäftsffördrende, später aber zunehmend lästige Gratis-Zugabe, die irgendwann nach dem Lust-Prinzip aufgegeben wird. Das muss ja nicht mal erst mit 30 sein, man kann das, wenn man nach den eigenen Maßstäben alles erreicht hat, ja auch mit 24 oder 27 machen, oder den nationalen Gratis-Quatsch gleich ganz ablehnen.


    Was da gerade hoffähig werden soll, ist der Anfang vom schon oft an die Wand gemalten Verfall der Nationalteams, in denen nicht mehr die berufenen Besten spielen, sondern die Besten, die noch Zeit und Lust haben.


    Klar, das war polemisch. Aber was soll's. Mehr kommt von mir nicht mehr zum Rücktritt. :-)

    :-) Na, da schau an, davedavis ... Ich hatte mich schon gefragt, wo du bleibst. Ist doch in diesem Forum kein richtiges Thema, solange du nicht selbstherrlich in irgendeine Ecke gekotzt hast.

    Ein lustiger Vergleich.


    Wenn wir beispielhaft bei einem Profifußballer und einem "normalen" Berufstätigen jeweils einen Berufsstart im Alter von 20 unterstellen und den Profifußballer mit 34 in Rente gehen lassen, den "Normalo" mit 63, dann errechnet sich daraus, dass Lahm, wäre er normaler Arbeitnehmer, gerade im Alter von 47 aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist.

    Und wenn du dich auf den Kopf stellst: Cruyff hat sich komplett zurückgezogen, Ende 1977 aus der Nationalelf, Frühjahr 1978 aus dem Verein. Der hatte keine Lust mehr auf Fußball. Und hat nicht verkündet, er spiele ab sofort nicht mehr für sein Land, habe aber ansonsten noch viel vor ...


    Noch mal: Lahm kann machen, was er will. Ich aber auch. Und darum sage ich: Lahm liegt falsch. Und ich kann nur hoffen, dass sein in diesem Fall schlechtes Beispiel nicht Schule macht.

    Cruyff hat Ende1977 sein letztes Länderspiel bestritten, Anfang 1978 seine Karriere beendet.
    Ein ziemlicher Unterschied zu Philipp Lahm.


    Zwar hat er ab 1979 wieder begonnen in den USA herumzukicken und sich danach ein paar Jahre von Verein zu Verein gehangelt, im greisen Fußballalter jenseits der 35 sogar noch mal einen zweiten Frühling erlebt, aber in die Nationalmannschaft ist er nicht zurückgekehrt.

    Jede Menge Pathos. Du erwartest jetzt aber nicht, dass mir Berufsfußballer leid tun, die ihr Hobby
    für viele Millionen Euro pro Jahr zum Beruf machen und deshalb körperlich arbeiten müssen?


    Die Argumente sind unterdessen alle geäußert, denke ich. Und was ich hier lese - nicht von dir, th0mi, nein, sondern ganz allgemein - ist teilweise so undifferenziert, gelegentlich auch unbedarft, dass sich nicht lohnt, darauf weiter einzugehen. Denn es ändert ja nichts.


    Auch wer nicht viel nachdenken will, sollte erkennen können, dass Philipp Lahms Aktion ziemlich ungewöhnlich ist. Denn wäre sie normal, würde so was häufiger geschehen. Die Aktion ist aber beispiellos in der mir bekannten Bundesligageschichte. Und auch in der europäischen Fußballgeschichte, soweit ich sie übersehen kann, fällt mir nichts Vergleichbares ein.

    Auch deshalb halte ich es diesmal mit Beckenbauer. Der versteht Philipp Lahm auch nicht.


    (Und bitte nicht wieder Zidane, Schuster, Cruyff, Breitner, Effenberg, Cantona - die Beispiele sind alle daneben. Einzig Gerd Müllers Rücktritt hat entfernt Ähnlichkeit. Und wie lange ist das her ...)

    Na, wenn du das so siehst, müssten wir eine angemessene Kündigungsfrist annehmen. Bei einem Chef, der verdient wie Philipp Lahm, wäre eine fristlose Kündigung zweifellos unmöglich.

    So sehe ich das auch. Ich schätze den Fußballer Philipp Lahm besonders, werde mich weiter an seinem Spiel erfreuen und hoffe, dass er noch möglichst viel Erfolg mit dem FC Bayern hat.


    Seine Entscheidung halte ich dennoch für einen Fehler und hätte mir gewünscht, dass ihn jemand davon abhält. Und wenn er selbst damit noch so zufrieden sein mag, glaube ich nicht, dass er sich, dem FC Bayern und dem deutschen Fußball damit einen großen Gefallen getan hat.


    Grundsätzlich wundere ich mich darüber, wie sehr das Ganze als "Privatangelegenheit" angesehen wird - ich denke, das ist nur teilweise privat. Niemand von uns weiß im Detail, wozu Profi-Kicker verpflichtet sind. Ich weiß es auch nicht. Manche wissen aber, was in Konzernen in Bereichen geregelt ist, die das Arbeitsverhältnis, die Unternehmenskommunikation oder den Markennamen betreffen. Dabei hat ein Arbeitgeber immer das Recht, über solche Absichten eines Angestellten im Vorfeld informiert zu werden, um Unternehmensinteressen zu wahren.

    Falls der FC Bayern das nicht geregelt hat, wundert mich das. Und ich bin sicher, dass der Verein seine Spieler-Verträge spätestens dann ändern würde, wenn nach dem Gewinn einer WM mal eben Neuer, Lahm, Boateng, Schweinsteiger, Müller und Götze aus der Nationalelf zurücktreten würden, weil das ja privat ist, niemand was angeht und mehr als eine WM sowieso nicht geht.


    Berufungen ins Nationalteam, auch das Kapitänsamt wirken sich auf Ruf und Wert des Spielers und des Vereins aus, beeinflussen die Attraktivität für Sponsoren und in der Vermarktung, ändern das Gewicht eines Vereins beim DFB, beeinflussen Attraktivität und Chancen der Nationalelf …
    Davon leben Profifußballer. Ich denke nicht, dass das nur Privatangelegenheit eines Spieler ist.


    Oder meinetwegen: Ich denke nicht, dass das nur Privatangelegenheit eines Spieler sein sollte.

    Philipp Lahm hat informiert. Das meine ich aber nicht. Sondern dass man eine solche Entscheidung mit anderen bespricht. Zum Beispiel insbesondere auch mit dem Verein. Denn auf den FC Bayern wirkt sich das auch aus, auf das Renommee, auf den Wert, auf den Einfluss. Und dafür müsste nicht mal irgendein Durm nachrücken und Hummels neuer Kapitän werden.


    Für einen Verein ist nicht in erster Linie eine Belastung, sondern auch wichtig und viel wert, Nationalspieler in seinen Reihen zu haben, den Kapitän zu stellen ... Ich hätte sogar gedacht, dass ein Spieler verpflichtet ist, solche weitreichenden Entscheidungen abzustimmen.


    Mindestens was das angeht, bin ich nun schlauer.

    EM 2016? Also zumindest für mich, soweit ich auch gemeint bin: Einspruch! Die EM 2016 habe ich lediglich einmal erwähnt - als einen Ansporn, den Philipp Lahm noch haben könnte. Aber was hat mein eigenes Ego mit der Nationalelf und der Europameisterschaft 2016 zu tun? ICH bin nicht stolz, ein Deutscher zu sein, nur weil deutsche Auswahlfußballer irgendwas gewinnen. Meinem Ego ist egal, ob irgendwer was gewinnt - es sei denn, ich wäre selbst der Gewinner. Mich freut aber natürlich, wenn der FCB erfolgreich ist, oder auch die Nationalelf.


    Mich wundert die Annahme, eine solche Rücktrittsentscheidung ginge niemand was an außer den Spieler. Ich denke, das ist falsch. Natürlich darf Philipp Lahm diese Entscheidung treffen, natürlich kann ihn niemand hindern. Und natürlich wird sich kaum jemand finden, der das öffentlich kritisiert. Aber dass das niemand was anginge, stimmt nicht.


    Dass Philipp Lahm mit niemand darüber geredet hat, weder mit Trainern, noch mit Mitspielern oder Vereinsverantwortlichen, finde ich unverständlich. Alle sind überrascht worden, andere Meinungen oder die Auswirkungen seiner Entscheidung auf andere sind Philipp Lahm egal, und obwohl Kapitän, Vertrauter, Angestellter, Mannschaftskamerad, hat er nicht das Gefühl gehabt, es ginge irgendwen was an. Ich denke, er liegt falsch. Denn in den sportlichen Gemeinschaften, zu denen er noch gehört und bisher gehört hat, betrifft seine Entscheidung jeden, weil seine Entscheidung sich auf alle auswirkt – unter anderem auch auf die Erfolgschancen aller anderen.


    Philipp Lahm schwächt ohne erkennbare Not die deutsche Nationalelf, mindert damit bis auf weiteres auch die Chancen seiner Mitspieler und Trainer. Das hat es in dieser Form im deutschen Fußball noch nicht gegeben. Und Lahm liegt falsch, wenn er glaubt, das ginge nur ihn was an.


    Mich geht das nichts an – na klar. Aber Philipp Lahms Mitspieler geht das was an, seine Mannschaften, seine Trainer und seinen Arbeitgeber. Alle geht das was an, die sich auf ihn verlassen, oder von ihm abhängen, oder ihn bezahlen, oder denen er was verdankt, oder die mit ihm geplant haben. Philipp Lahm hat aber mit niemand gesprochen.


    Und ich bin ganz sicher, dass fast alle - auch die meisten derer, die jetzt gezwungenermaßen Respekt und Verständnis äußern -, wenn es denn möglich gewesen wäre, versucht hätten, mit sehr guten Argumenten Philipp Lahm zum Weitermachen zu bewegen.

    Danke, das spart mir die Antwort. Es war auch nicht mein Absicht, irgendwen zu denunzieren.
    Und dass sich jemand provoziert fühlt, wenn er auf eine andere Meinung trifft - na ja, das kann ich dann weder vorher wissen, noch hinterher ändern. Deswegen würde ich meine Meinung aber nicht anders und nicht weniger äußern. Und ich bemühe mich, das sachlich zu tun.